Sport : Vorbilder gegen Rassismus

Experten fordern mehr Engagement von Fußballprofis

Nils Michaelis

Berlin - Thierry Henry hat schon lange genug von fremdenfeindlichen Parolen von Fußballfans. Vor kurzem gründete der Star von Arsenal London, der schon mehrfach rassistischen Ausfällen ausgesetzt war, eine Stiftung gegen Rassismus und soziale Ungerechtigkeit. Deutsche Fußballexperten sehen in diesem Engagement ein Vorbild für den deutschen Fußball. Immer wieder wird von rassistischen Ausfällen auf Fußballplätzen auch hierzulande berichtet: Dschungel-Rufe gegen farbige Spieler wie gegen Gerald Asamoah, die Angriffe auf den Leipziger Fußballer Adebowale Ogungbure oder etwa antisemitische Symbole bei einer Begegnung zwischen Energie Cottbus und Dynamo Dresden im vergangenen Jahr schreckten die Öffentlichkeit auf.

Gerd Dembowski von der Initiative „Flutlicht“, dem Verein für antirassistische Fußballkultur, nannte Henry bei einer Podiumsdiskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin beispielhaft dafür, wie prominente Fußballspieler auf ihre Fans einwirken können. „Warum hat man nichts von Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack gehört, wenn einer wie Asamoah beschimpft wurde?“, fragte Dembowski in Anspielung auf das Pokalspiel von Schalke 04 im September 2006 bei Hansa Rostock II. Vorbilder und Vereine sollten sich von antirassistischen Fanprojekten beim Kampf gegen rechts beraten lassen, fordert Dembowski. Überdies benötige Fanarbeit in Deutschland eine bessere finanzielle Ausstattung. Auch Faninitiativen fordern das – nicht erst seit den jüngsten Gewaltausbrüchen in Leipzig und Dresden.

Auch Michaela Glaser vom Deutschen Jugendinstitut mahnt Verbände und Vereine, den Kontakt zu Fanprojekten zu intensivieren. „Gerade in unteren Ligen fehlen Ordnern und Stadionsprechern oft die Kenntnisse und die Sensibilität gegenüber rassistischen Fans“, erklärte sie. Die Soziologin beschrieb Entwicklungen in England als Modell für eine erfolgreiche Aufklärung. Dort werde seit 15 Jahren eine kontinuierliche Kampagnenarbeit geleistet. Öffentliche Auftritte von Spielern hätten deren Vorbildfunktion gestärkt. Auch deutsche Vereine müssten interkulturelle Bildungsarbeit leisten, „um ein antirassistisches Klima zu erzeugen“. Dazu gebe es auch gute Ansätze wie die Bundesliga-Aktion „Zeig dem Rassismus die Rote Karte“. Doch diese Kampagne blieb bislang einmalig.

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