Sport : Vorfahrt missachtet

Weltmeister Michael Schumacher macht erneut einen Fehler – und wird in Malaysia nur Sechster

Karin Sturm

Sepang. Am meisten ärgerte sich Michael Schumacher über sich selbst: zweites Rennen des Jahres, nach Platz vier in Australien nur Sechster beim Großen Preis von Malaysia. Wieder gewann McLaren-Mercedes, diesmal durch Kimi Räikkönen. Und wieder machte Schumacher einen entscheidenden Fehler, diesmal bereits in der zweiten Kurve. „Das war meine eigene Dummheit“, sagte der fünffache Weltmeister. Sauer auf Schumacher war auch dessen unschuldiges Opfer Jarno Trulli, den er wenige Sekunden nach dem Start von der Strecke geschoben hatte: „Michael hat sich zwar bei mir entschuldigt, aber das hilft mir auch nichts, mein Rennen war dadurch ruiniert.“

Es war die Schlüsselszene in Sepang. Bis Schumacher erklären konnte, was passiert war, zog er sich mehr als eine Stunde mit seinen Technikern zur internen Beratung zurück. Dann war der erste Ärger verraucht, und er stellte sich den Medien. „Ich habe mich ein bisschen zu sehr auf David konzentriert. Der wollte mich gerade in dieser Kurve außen überholen, das wiederum wollte ich nicht“, sagte Schumacher. „Das war dann so ein Jojo-Effekt: Erst ist Platz zum Vordermann, dann bremst der plötzlich. Und so schnell kann man dann gar nicht mehr reagieren. Einfach ein dummer Fehler, weil ich den Abstand zu Jarno falsch eingeschätzt habe. Der wollte natürlich irgendwann in die Kurve rein, hat nicht mit mir gerechnet – und dann kam es zum Zusammenstoß.“

Schumacher bekam für die missachtete Vorfahrtsregel eine Boxendurchfahrtsstrafe aufgebrummt. „Ich bin damit völlig einverstanden. In letzter Zeit wurde das System ja konsequent so angewendet, insofern ist das eine Verbesserung im System. Also muss ich eigentlich damit zufrieden sein, für so was eine Strafe zu bekommen. Es ist gerechtfertigt“, sagte der Weltmeister. Dennoch versuchte er, nach dem zweiten enttäuschenden Ergebnis hintereinander Optimismus zu verbreiten. „Es sind noch drei Punkte dabei herausgekommen, und ich denke, dass wir mit unserem Paket im Prinzip immer noch sehr stark und konkurrenzfähig sind. Es kommen auch wieder andere Rennen." Dass Ferrari derzeit nicht dort ist, wo sie vor Saisonbeginn zu sein glaubten, ist trotzdem kaum noch wegzudiskutieren. Von der drückenden Überlegenheit des vergangenen Jahres ist im Moment nicht viel übrig geblieben. Auch ohne das Startchaos hätten Schumacher und Rubens Barrichello das Rennen nicht sicher kontrollieren können. Zu stark waren in Malaysia die Mercedes-Silberpfeile. „Ich bin natürlich im Moment nicht sehr zufrieden, aber das ist nun mal ein Teil des Rennsports“, sagte Schumacher. „Ich bin auch nur ein Mensch, also passiert mir auch hin und wieder mal ein Fehler. Ich mache das bestimmt nicht absichtlich.“

David Coulthard, nach seinem Ausfall wegen eines Elektrikdefekts schon in der dritten Runde enttäuscht, grinste angesichts der Kommentare nur: „Ich wusste schon, dass sich da was zusammenbrauen würde. Ich habe das kommen sehen, dass das da vorne knallt.“ Während der Schotte mit seinem Pech haderte, beeindruckte der souveräne erste Sieg seines jungen Teamkollegen Kimi Räikkönen. Nach dem Start konnte er dem Chaos ausweichen, danach fuhr er ungefährdet dem Sieg entgegen. „In den letzten 20 Runden habe ich das Tempo rausgenommen, bin nur noch rumgerollt", sagte Räikkönen später.

Solche Töne müssen auf Schumacher und Ferrari alarmierend wirken. Dass Ferrari mit McLaren-Mercedes jetzt von Anfang an einen vollwertigen WM-Gegner bekommt, hat man im Firmensitz Maranello sicher nicht erwartet. Und der neue Ferrari, der F2003 GA, ist offensichtlich noch nicht soweit, um ihn jetzt auf die Schnelle zum Einsatz zu bringen. Die Konkurrenz schöpft Hoffnung, dem in den vergangenen Jahren fast unschlagbaren Weltmeister nun wieder beikommen zu können. „Michael Schumacher hat eine einzige Schwäche: Wenn er unter Druck gerät, dann macht er Fehler“, ist schon lange David Coulthards Theorie. In Malaysia fühlte er sich bestätigt. „Wir müssen es nur weiter schaffen, ihn sportlich zu bedrängen. Dann können wir ihn auch schlagen.“

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