Sport : Vorgekämpft

Olympiasiegerin Yvonne Bönisch ist nach einem Kreuzbandriss in WM-Form

Hartmut Moheit

Berlin - Bevor Yvonne Bönisch am Samstag bei der WM in Kairo zum ersten Mal die Judo-Matte betritt, hat sie schon einen großen und einen kleinen Kampf gewonnen. Der große war der gegen eine schwere Verletzung, sie hatte sich vor zehn Monaten das Knie derart verdreht, dass ihr Kreuzband riss. Der kleine war der gegen die Waage, die jetzt wohl ein paar Gramm unter 57 Kilo anzeigen wird. Sie kann also in derselben Gewichtsklasse starten, in der sie auch bei den Olympischen Spielen in Athen gekämpft hatte. Bönisch gewann olympisches Gold.

Es war die erste Goldmedaille für die deutsche Mannschaft bei den Spielen in Athen, und seitdem ist die 24 Jahre alte Potsdamerin auch eine Repräsentantin für ihre ganze Sportart. Ein bisschen Rummel gab es um sie kurz nach Athen, sie wurde zu Brandenburgs Sportlerin des Jahres gewählt, zwei Sponsoren unterstützen sie jetzt, aber inzwischen kann sie sich wieder ganz aufs Sportliche konzentrieren. Sie mag es ohnehin lieber etwas zurückgezogen.

Mit ihrer Verletzung war sie auch genug beschäftigt. Anfang Juni in Italien ist Bönisch erst wieder in die internationale Szene zurückgekehrt. Nach Kairo ist sie mit dem Selbstbewusstsein einer Olympiasiegerin aufgebrochen: „Vor Olympia war ich verletzt und habe alle besiegt, jetzt war ich vor der WM eben wieder verletzt und denke an meinen Sieg von Athen.“

Sie hat viel getan, um wieder ihre alte Form zu erreichen, auch für ihr Gewicht. „Da muss man sich eben gesund ernähren und den Hintern durch den Wald bewegen, dann klappt das schon“, erklärt sie. Yvonne Bönisch hätte freilich auch in einer höheren Gewichtsklasse starten können, wie es so viele im Verlauf ihrer Karriere tun, „aber international habe ich nur im Leichtgewicht eine Chance“.

Mit ihrer Größe von 1,68 Metern und eben jenen 57 Kilogramm kann Yvonne Bönisch in dieser Klasse ihre Stärken am besten zur Geltung bringen: „Ich bin schnell, technisch vielseitig und für dieses Limit auch nicht gerade die Schwächste.“ Also bleibt es beim Leichtgewicht für sie. Sie hatte sogar gehofft, dass es noch leichter werden würde, weil ein Generationswechsel in ihrer Gewichtsklasse stattfinden könnte. Doch ihre Finalgegnerin von Athen, Sun Hui Kye aus Nordkorea, ist weiter aktiv, gegen sie hatte Bönisch im Finale der Weltmeisterschaft 2003 in Osaka verloren. In Kairo könnte die Potsdamerin außerdem auf die starke Kubanerin Yurisleidis Lupetey und die Spanierin Isabel Fernandez treffen.

Ihr Ehrgeiz ist durch den Olympiasieg nicht geringer geworden. „2008 in Peking möchte ich wieder um Olympiagold kämpfen“, sagt sie. Ob sie dann noch als Yvonne Bönisch kämpft oder mit einem anderen Nachnamen, das weiß sie noch nicht. Vor den Spielen in Athen hatte sie mit ihrem Freund und Trainer Axel Kirchner schließlich ein Zukunftsgespräch geführt. „Ich habe zu ihm gesagt, wenn ich Gold hole, dann muss er mich heiraten“, erzählt Bönisch. Jetzt sagt sie: „Es ist ja noch Zeit.“ Außerdem sei das in Athen mehr ein „Mediengag“ gewesen. Ganz so unernst kann es aber auch nicht gewesen sein. Heiraten wollen die beiden immer noch. „Es soll doch ein schöner Tag für uns werden, nicht so eine programmierte Geschichte“, sagt sie.

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