Vorm Spitzenspiel : Hertha BSC: Unbesiegbar, so scheint’s

Spitzenspiel in Liga zwei: Der Erste empfängt den Zweiten, der Gejagte seinen ersten Verfolger. Hertha BSC hat noch nicht verloren – das soll auch gegen Greuther Fürth heute so bleiben.

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Laubtraining. Hertha behält auch im herbstlichen Nebel den Durchblick.
Laubtraining. Hertha behält auch im herbstlichen Nebel den Durchblick.Foto: Engler

Berlin - Friedhelm Funkel ist bei seinem Abschied aus Berlin mehr Ehre zuteil geworden, als er eigentlich verdient hätte. Der Abstiegstrainer wurde auf einer Pressekonferenz mit warmen Worten bedacht und unter anderem dafür belobigt, dass er bis zum letzten Tag des Vertragsverhältnisses seine Pflicht erfülle. Beim letzten Freundschaftsspiel nach Saisonschluss fehlte Funkel dann allerdings – weil er gerade in Bochum als neuer Trainer des VfL vorgestellt wurde. Aus dem Freund war ein Konkurrent um den Wiederaufstieg geworden. Freund oder Feind? Das hat sich auch Markus Babbel gefragt, als ihm in dieser Woche eine Aussage seines Vorgängers überbracht wurde. Funkel hatte gesagt, er traue den Berlinern zu, dass sie die komplette Saison in der Zweiten Liga ungeschlagen überstehen. „Das ist nett gemeint“, sagte Herthas aktueller Trainer, „aber ich weiß nicht, ob er uns einlullen will.“

Auf acht Spiele ohne Niederlage haben es die Berliner bereits gebracht, seit dem Wochenende sind sie die letzte noch ungeschlagene Mannschaft im deutschen Profifußball. Das soll auch nach dem heutigen Spitzenspiel gegen den Tabellenzweiten Greuther Fürth (18 Uhr, live bei Sky) so bleiben. Bis zur ewigen Unschlagbarkeit ist es dennoch ein weiter Weg. Selbst der Zweitligarekord liegt in weiter Ferne. 25 Spiele überstand der 1. FC Köln in der Saison 2002/03 ohne Niederlage, dessen Trainer hieß damals: Friedhelm Funkel. „Ich lass’ mich nicht verrückt machen“, sagt Markus Babbel zu dessen Prophezeiung. Natürlich habe er nicht vor zu verlieren, „aber je länger wir ungeschlagen sind, desto schwieriger wird es – weil jeder der Erste sein will“.

Funkels Aussage zeigt zumindest, dass sich Hertha in den ersten acht Spielen der Saison eine Menge Respekt erspielt hat, und paradoxerweise hat dazu auch die Begegnung vom Wochenende beigetragen: ein schmuckloses 1:0 gegen einen grauen Mittelklasseverein wie den FSV Frankfurt. Das Spiel war hart umkämpft, Hertha hätte es genauso gut verlieren können, am Ende aber war es eben der große Favorit, der die drei Punkte eingesackt hatte. „Das sind die Big Points, die man machen muss, wenn man aufsteigen will“, sagt Mittelfeldspieler Peter Niemeyer. Wohl auch deshalb bejubelten die Berliner den späten Siegtreffer gegen die Frankfurter so ekstatisch.

Wenn Niemeyers Vermutung stimmt, müsste sich Hertha um das Saisonziel keine allzu großen Sorgen mehr machen: Bisher haben die Berliner alle engen Spiele entweder für sich entschieden (gegen Oberhausen, Düsseldorf, Cottbus und Frankfurt) oder zumindest nicht verloren (gegen Union und Aachen), bereits vier Mal siegten sie mit einem Tor Unterschied. „Das ist auch eine Qualität“, sagt Trainer Babbel. Mannschaften wie Oberhausen, Düsseldorf, Aachen oder auch der FSV Frankfurt müssen gegen den gefühlten Bundesligisten alles und noch ein bisschen mehr mobilisieren, um so etwas wie Chancengleichheit herzustellen – eine einzige Unachtsamkeit aber, und sei es in letzter Minute, kann sie um den Lohn ihrer Mühen bringen.

Gegen Fürth müsse seine Mannschaft deswegen hellwach sein, fordert Babbel. Der Erste empfängt den Zweiten, der Gejagte seinen ersten Verfolger. Beide Mannschaften haben die wenigsten Gegentore kassiert (fünf) und die meisten Spiele (sechs) gewonnen, nur ein Punkt und ein Tor ist Hertha den Fürthern voraus. Doch während die Berliner nirgendwo anders erwartet wurden als an der Tabellenspitze, ist der Höhenflug der jungen und neu zusammengestellten Fürther Mannschaft mit einer gewissen Verwunderung registriert worden. „Sie haben Qualität“, sagt Markus Babbel über den heutigen Gegner. „Sie stehen nicht umsonst auf diesem Tabellenplatz.“

Wenn Fürth auch nach dem Spiel noch Zweiter wäre, könnten die Berliner damit leben. Dann hätten sie zumindest nicht verloren. Nur einen Platz gutmachen, das dürfen die Fürther heute Abend nicht.

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