Sport : Vorn schnell, hinten stark

Trainer Gislason verpasst Gummersbach neuen Stil

Erik Eggers

Köln - Am Sonntag wechselte Alfred Gislason für eine Stunde die Sportart, vom Handball zum Schwimmen. Der neue Trainer des VfL Gummersbach rieb sich mit schützendem Fett ein und sprang in die Aggertalsperre, einen Stausee nahe Gummersbach. Damit löste er eine Wettschuld ein. Im Trainingslager hatte der 46-jährige Isländer einmal sein Team durch das Trinkwasserreservoir gejagt. Er hatte gedroht, diese Einheit bei einer Niederlage gegen den SC Magdeburg zu wiederholen. Jetzt musste er selbst ran. Am Samstag, nach dem 31:26 (15:13) gegen seinen ehemaligen Klub, erinnerte ihn die Mannschaft daran.

Diese Episode belegt zugleich, dass die Stimmung beim zwölfmaligen Deutschen Meister vor dem schweren Auswärtsspiel beim Meisterschaftsfavoriten THW Kiel (heute, 20 Uhr) ausgezeichnet ist. Wenig überraschend, ist den Gummersbachern mit 6:0-Punkten ein bisher perfekter Saisonstart geglückt. Fast schon euphorisch aber macht die Klubführung der neue Stil, den das mit acht Profis erneuerte Team auszeichnet: „Wir haben heute Ansätze einer völlig neuen Spielkultur sehen können“, sagte Aufsichtsratschef Hans-Peter Krämer nach dem ersten Spitzenspiel gegen Magdeburg.

Tatsächlich ist die Handschrift von Gislason schon jetzt klar erkennbar. Anders als sein konservativer Vorgänger Velko Kljaic, setzt der 46-Jährige bedingungslos auf Tempohandball. Einen Gegentreffer beantwortet der VfL neuerdings mit der „schnellen Mitte“, dem sofortigen Wiederanwurf. Insgesamt sind im Angriff durchdachte Spielsysteme sichtbar. Auch defensiv spielt der VfL variabler. Unter Kljaic funktionierte eigentlich nur die 5:1-Deckung, in der Kapitän Gudjon Valur Sigurdsson als vorgezogener Spieler die Kreise des gegnerischen Aufbauspielers einengte. Jetzt deckt Sigurdsson teilweise auch den halblinken Angreifer. Gegen Magdeburg stand zudem die defensivere 6:0-Variante um den neuen Abwehrchef Sverri Jakobssen sicher. Als Gislason gegen die Magdeburger eine Viertelstunde vor Schluss entsprechend umstellte, implodierte deren Rückraum förmlich. Kamen sie doch mal durch, scheiterten sie an VfL-Torhüter Goran Stojanovic, der vom insolventen VfL Pfullingen verpflichtet wurde.

Die Leerstelle, die der verletzte russische Rückraumspieler Denis Sacharow (Achillessehnenriss) auf halbrechts hinterlassen hat, könnte schon in Kiel ausgefüllt sein. So die Transfermodalitäten geklärt sind, wird der serbische Linkshänder Milan Vucicevic (28), der zuletzt auf den Azoren bei Sporting Horta und davor bei Sporting Lissabon aktiv war, heute dabei sein. „Er kann uns sofort helfen“, sagt Gislason. Vucicevic erinnert sich gern an Kiel: 2003 warf er, damals noch für Prule Ljubljana, den THW mit acht Toren aus der Champions League.

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