Sport : Vorne dünn und hinten auch

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Zehn Minuten vor dem Ende hätte der Abend fast noch eine kitschige Pointe bekommen. Nach einer Ecke und dem folgenden Gewusel landete der Ball auf dem linken Fuß von Benedikt Höwedes, und von dort flog der Ball tatsächlich ins Tor. HÖWEDES! MIT LINKS! Leider hatte der Schiedsrichter schon abgepfiffen, das Tor zählte nicht.

Der linke Fuß von Benedikt Höwedes war beim Länderspiel in Paris so etwas wie der Running Gag des Abends. Der erste Flankenversuch des Schalkers landete weit hinter dem Tor, etwa in Höhe des Mittelrangs; und ein Torschuss überquerte die Auslinie gefährlich nah an der Eckfahne. Man muss zu Höwedes’ Ehre sagen, dass er sonst aus gutem Grund fast nie seinen linken Fuß benutzt, dass er seine Defensivaufgaben gegen die Franzosen ordentlich erledigte – und dass es ganz sicher nicht seinem Wunsch entsprungen war, als linker Außenverteidiger eingesetzt zu werden.

Im Grunde konnte man auch Joachim Löw für diese Entscheidung nicht in Haftung nehmen. Auf den Außenpositionen muss der Bundestrainer fast schon traditionell einen bedenklichen Mangel verwalten. Nachdem Marcel Schmelzer verletzt ausgefallen war und Philipp Lahm auf der rechten Seite benötigt wurde, hatte Löw für links nur noch die Wahl zwischen den gelernten Innenverteidigern Boateng, Westermann und Höwedes.

Der Bundestrainer wehrt sich seit Jahren dagegen, in die Jubelgesänge über die glänzenden Perspektiven des deutschen Fußballs einzustimmen. Mag sein, dass es im Mittelfeld mit Götze, Özil, Reus, Khedira, Müller, Schürrle und Gündogan mehr Begabungen gibt, als eine Mannschaft vertragen kann; dafür ist der Personalbestand auf anderen Positionen erschreckend dünn. In der Innenverteidigung verfügt Löw mit Mertesacker, Hummels und Badstuber über gerade drei Kandidaten auf international überdurchschnittlichem Niveau. Und im Sturm ist der Bundestrainer weiterhin auf den fast 35 Jahre alten Miroslav Klose angewiesen; selbst Stefan Kießling, den viele noch für einen Perspektivspieler halten, ist gerade 29 geworden.

Dass der Deutsche Fußball-Bund das Problem inzwischen erkannt hat und seine Ausbildung entsprechend modifizieren will, ist generell eine gute Nachricht. Nur nicht für Joachim Löw. Eher für seinen Nachfolger.

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