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Sport: Vorne wie hinten

Die Eisbären bestechen durch ihre Ausgeglichenheit

Von Katrin Schulze

Berlin - Die Euphorie machte selbst vor Don Jackson nicht Halt. Der Trainer der Eisbären lechzte am späten Dienstagabend geradezu nach ein bisschen Anerkennung für den 7:2-Sieg seiner Mannschaft über die Hamburg Freezers. „Great game, äeh?“, fragte er rhetorisch in amerikanischem Slang und grinste dabei noch viel amerikanischer. Dass der sonst so bedächtige Mann aus Minnesota seine charakteristische Contenance zu verlieren drohte, lag am Auftritt seiner Profis, an dem laut Jackson „großartigen Spiel“. In der dritten Play-off-Viertelfinalpartie zeigten die Berliner endlich das von ihrem Trainer gewünschte Endrunden-Eishockey: „Offensiv, schnell, torreich.“

Eine simple Formel, die die Berliner in den ersten beiden Spielen gegen Hamburg noch nicht immer zur Jacksons Zufriedenheit umsetzten – allzu oft ließen sie sich von der kompakten Defensive der Freezers bedrängen und durch die destruktive Spielkultur der Hamburger einlullen. Trotzdem sind die Eisbären das einzige Team, das seine Viertelfinalserie bisher ohne Niederlage absolviert hat. „Ein Erfolg der Mannschaft“, sagt Jackson, als wäre es eine Aussage, die von ihm so erwartet wird. Doch hinter dieser vermeintlichen Floskel verbirgt sich eine tiefere Strategie, denn die Eisbären zeichnen sich mehr denn je durch einen ausgeglichenen Kader aus, der dem Trainer zudem fast komplett zur Verfügung steht. Anders als in der Endrunde der vergangenen Saison kann Jackson vier komplette Sturmreihen aufbieten und somit nicht nur den Kräfteverschleiß seines Teams minimieren, sondern auch für ein hohes Tempo während des gesamten Spiels sorgen. „Wir profitieren davon, dass fast alle fit sind“, sagt auch Kapitän Steve Walker.

Viel wichtiger erscheint jedoch, dass alle verfügbaren Spieler bei den Eisbären im Gegensatz zu vielen Konkurrenten auch ein annähernd gleiches Potenzial besitzen: Wenn die erste Sturmreihe um Walker, Denis Pederson und Florian Busch schwächelt, kann sich Don Jackson auf seine „Hinterleute“ verlassen: Ein Drittel aller bisherigen 15 Play-off-Treffer der Berliner stammt von Spielern der nominell dritten und vierten Formation.

„Die Gegner konzentrieren sich meistens auf die Stars einer Mannschaft“, sagt Walker. „Das schafft Raum für die Spieler der hinteren Reihen.“ Doch was heißt bei den Berlinern schon hintere Reihe? Da sich die Qualität der Stürmer derzeit nur gering unterscheidet, kann der Trainer sie fast schon beliebig austauschen und rotieren lassen. Das schafft Verwirrung beim Gegner. Und dürfte Don Jackson noch so einige Male ein listiges Grinsen ins Gesicht zaubern.Katrin Schulze

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