Vorschau mit Herz : Ein Union-Fan hofft: Bloß keine Zittersaison!

Nach dem Pokal-Aus beim Halleschen FC ist Lothar Heinke skeptisch. Wenn es in der 2. Bundesliga keine Zitterpartie gibt, wäre er schon glücklich - Die Saisonvorschau aus der Sicht eines Union-Fans.

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Unions Team für die kommende Zweitliga-Saison: Hintere Reihe (v.l.): Göhlert, Savran, Trapp, Malinowski, Brunnemann, Menz, Mattuschka, Rauw, Sahin, Parensen, Polenz, Benyamina. Mittlere Reihe (v.l.): Beeck (Teammanager), Neuhaus (Cheftrainer), Hofschneider (Co-Trainer), Bahra (Torwart-Trainer), Peitz, Madouni, Stuff, Mosquera, Uaferro, Younga-Mouhani, Schneeweiß (Betreuer), Placzek (Physiotheraperut), Stenz (Videoanalyst), Haase (Mannschaftsarzt), Henschke (techn. Mitarbeiterin). Vordere Reihe (v.l.): Keller (Konditionstrainer), Kohlmann, Ede, Kolk, Hötticke, Glinker, Haker, Thomik, Quiring, Skrzybski, Riedel (Masseur).Weitere Bilder anzeigen
Foto: Mike Wolff
15.07.2010 21:06Unions Team für die kommende Zweitliga-Saison: Hintere Reihe (v.l.): Göhlert, Savran, Trapp, Malinowski, Brunnemann, Menz,...

Fangen sie etwa wieder da an, wo sie zuletzt aufgehört haben? Ich stehe fassungslos im Leipziger Zentralstadion. "Tusche" versucht gerade, das 1:0-Pokal-Debakel gegen den HFC zu erklären. Uwe Neuhaus’ Gesicht ist versteinert. Es passt zu den Katakomben, in denen die "Eisernen" wortlos und mit hängenden Köpfen in ihren stählernen Bus steigen – ein Donnerwetter ahnend, das über sie hinweg zieht, wenn Präsident Zingler vorrechnet, was ihr Unvermögen vor dem Tor den Verein gekostet hat. Ohne die Pokalblamage gegen die Hallenser wäre diese Saisonvorschau aus der Sicht eines unverbesserlichen Fans sicher ganz anders ausgefallen. Aber wir müssen die Dinge so sehen, wie sie sind.

Und ohne die rosarote Brille des alles liebenden und alles verzeihenden Fans bleibt die schnöde Wahrheit, dass das redliche Mühen von Union nicht einmal ausreichte, den knappen Vorsprung eines Viertligisten wett zu machen. Der Sturm war wieder einmal ein Lüftchen, ein Säuseln nur weht über den Platz, wenn der fürs Toreschießen zuständige John Jairo Mosquera den Ball über das leere Tor ballert und ansonsten dadurch auffällt, dass er viel zu oft mit den Armen rudernd Empörung und Unschuld signalisiert. Das kommt uns ziemlich bekannt vor. Also, was hat sich denn da vorn eigentlich gegenüber der ziemlich desaströsen zweiten Halbserie der letzten Saison geändert?

Erinnerung lässt uns träumen: Der Schwung und die Euphorie des Aufstiegs 2009 waren wie Treibsätze für die Union-Rakete bei ihrem Start in die 2. Bundesliga. Gott war das schön! Wir aus dem Osten geh'n immer nach vorn! Das Punktesammeln brachte es zu einem beachtlichen Polster, trotzdem wurde Union am Ende auf seinem 12. Platz von den beiden Mit-Aufsteigern Düsseldorf, Paderborn und sogar vom Gartennachbarn Cottbus überholt.

Und was erwarten wir nun in der neuen Saison – und die zweite sei immer die schwierigere, sagen die Leute und die Erfahrung. Also, die üblichen Floskeln: Siegeswillen, Einsatz, Zusammenhalt der Truppe, Fitness, Fairness, Wellness für ein Wohlbefinden der kämpferischen Tugenden. Wir Fans sind bescheidener als manche Boulevardmedien, die Union im vorigen Jahr schon zum Aufsteiger in Liga 1 hochgejubelt haben. Nein, heute gilt: Hauptsache Klassenerhalt, alle Stürme überstehen, sich in der Zweiten etablieren. Alles andere wäre vermessen. Es darf ruhig ein einstelliger Tabellenplatz sein.

Vorfreude auf das Duell DB gegen Kfzteile24

Wenn die wenigen Neuen so einschlagen, wie uns das vom Trainer und seinem Teammanager Christian Beeck versprochen wurde, dürfte das möglich sein. Wir tun unser Bestes. Wir vergöttern unsere Jungs: Wo sonst donnert das Wort "Fußballgott" hinter jedem Namen über den Platz, egal, ob der beim vorigen Spiel mit einer Eins oder Fünf benotet wurde. Und selbst beim blamablen Leipziger 1:0 erhielten die mutigen Spieler, die sich bei den 4000 angereisten Berliner Fans für ihre Treue bedankten, verhaltenen Beifall. U.n.v.e.u.! Komme, was da wolle.

Apropos reisen. Schade, dass wir zum ersten Spiel an einem Freitagabend im fernen Aachen antreten müssen. Irgendwie wird das schon gedeichselt, mit Zug und Auto und Bus und Flugzeug und Urlaub, auch wenn man sich die Nacht um die Ohren haut und aus dem Tivoli am Sonnabend um 4 Uhr 21 wieder auf dem Berliner Hauptbahnhof landet (Aachen ab 20.39). Kostet zwischen 66 und 251 Euro. Für diesen Preis und für diesen Aufwand und überhaupt darf der Fan die stille Erwartung hegen, von den Sicherheitsorganen nicht als Gangster, Störenfried, Staatsfeind, Asozialer, Krimineller, notorischer Unruhestifter oder Chaot betrachtet und entsprechend behandelt zu werden. Er ist ein in der Regel fröhlicher Gast aus der Hauptstadt. Der kann über den martialischen Aufzug der Polizisten mit ihren Schlagstöcken, Kameras, Wasserwerfern, Gummiwesten und Helmen nur lachen. Mit Chaoten, die sich vielleicht in die Fangemeinde geschmuggelt haben, wird er schon selber fertig. Oder er spielt seinen Protest wegen der jüngsten Beschränkungen ("In Leipzig stirbt die Fankultur") 15 Minuten lang als Pantomime, stumm und voller Inbrunst.

Uns stehen ja nette Gäste ins Haus: Der Sachsen aus Aue. Die Bauern aus Cottbus. (Vorsicht: Pele Wollitz sagt, er will in die Bundesliga!). Und Hertha. Am 4. Spieltag, also am dritten Wochenende im September. In der Försterei. Jetzt schon im Jeiste ausverkauft. Stadtduell. David gegen Goliath. Ost-West-Prestige auf Augenhöhe. Ein Leckerbissen. Das Schicksal hat es so gewollt: Rot-Weiß gegen Blau-Weiß. DB gegen Kfzteile24. Neuhaus gegen Babbel. "Unser Ziel ist es, am Ende vor Hertha zu stehen", sagte Käpt'n Mattuschka.

Na, dann: Fangt schon mal am Freitag am Aachener Tivoli mit dem Punktesammeln an. Vorwärts, Unioner, schießt ein Tor! Damit alles, was vor uns liegt, keine Zitterpartie für den Kreislauf und die rot-weißen Nerven wird. Obwohl: Ist es nicht genau das, was wir eigentlich so lieben?

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