Sport : Vorsicht bissig

Nach dem 2:1 über den VfB Stuttgart muss die Konkurrenz den FC Bayern wieder fürchten

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Nach aktueller Beweislage ist den für den Spielplan zuständigen Herren der Deutschen Fußball-Liga keinerlei Absicht zu unterstellen. Wenngleich man bei Bayern München durchaus daran glauben könnte, dass dies kein Zufall mehr ist: Bereits zum vierten Mal in der noch jungen Saison musste der Rekordmeister gestern gegen einen Bundesliga-Tabellenführer antreten; zunächst war es Nürnberg, dann Berlin, Bremen, nun: Stuttgart. Ein Sieg, ein Unentschieden und eine Niederlage standen aus jenen Begegnungen zu Buche, eine durchwachsene Bilanz also, was auch für den bisherigen Saisonverlauf galt. Weitgehend überzeugend war aber das gestrige 2:1 über den VfB Stuttgart. „Nach dem Spielverlauf über 90 Minuten muss man sagen, der Sieg der Bayern war verdient“, attestierte Stuttgarts Trainer Armin Veh.

Nach früher Führung der Gäste durch Mario Gomez, der wie zuletzt so häufig mit unerhörter Souveränität einen Stuttgarter Angriffszug per Flachschuss abgeschlossen hatte, bäumten sich die Münchner auf und drehten das Spiel binnen neun Minuten: Dem 1:1 durch Roy Makaay, der nach einer Flanke Philipp Lahms Gegenspieler Arthur Boka übersprang und einköpfte, traf Claudio Pizarro aus kurzer Distanz zum 2:1. Diesmal hatten Boka und Christian Gentner allzu lässig eine Hereingabe zugelassen.

„Wie in Leverkusen hat die Mannschaft nach dem Rückstand Moral gezeigt, ist nach vorn marschiert und hat das Heft in die Hand genommen“, lobte Trainer Felix Magath. In der Tat ließen sich die Münchner vom frühen Rückstand nicht verunsichern. Abwehrchef Daniel van Buyten, der das 0:1 durch mangelnde Absprache mit Martin Demichelis mitverschuldet hatte, sagte: „Wir haben heute den Biss gezeigt, den absoluten Willen, der uns in den letzten Wochen manchmal gefehlt hat.“

Genau daran mangelte es diesmal dem Gegner, der nur in der Anfangsviertelstunde so couragiert auftrat wie bei den meisten der sechs Siege aus den letzten sieben Spielen. „Wir hätten frecher sein müssen“, sagte Veh, trug dies jedoch mit äußerst mildem Unterton vor. Schließlich sei es das erste echte Spitzenspiel für seine Mannschaft gewesen – und da habe sie einiges von den Bayern lernen können, „zum Beispiel wie man konsequent in die Zweikämpfe geht“. Speziell in der zweiten Halbzeit war den Schwaben mit Ausnahme einer bemerkenswert dreisten Schwalbe von Daniel Bierofka wenig Entschlossenheit anzumerken, den Rückstand umzuwandeln. Oder, wie Roy Makaay etwas despektierlich anmerkte: „Das einzige, was Stuttgart da noch gebracht hat, waren ein paar gute Flanken.“

Trotzdem herrschte nach dem Abpfiff Genügsamkeit im Stuttgarter Lager. „Ob wir jetzt Erster, Dritter oder Vierter sind, ist nicht entscheidend“, sagte Team-Manager Horst Heldt, „wir haben Tuchfühlung, das ist wichtig, das haben wir uns erarbeitet.“ Noch zufriedener entschwand Bayerns Manager in den Feierabend. Vergnügt registrierte Uli Hoeneß, „dass wir jetzt langsam einen Rhythmus finden und dass auch die Verletzten zurückkommen“. Die sich nach der Heimniederlage vor zehn Tagen gegen Hannover anbahnende Krise scheint also gemeistert, bevor sie sich richtig entfaltet hat. Anlass zur Freude fanden die Münchner, die in der zweiten Halbzeit indes auch kaum mehr als das Nötigste taten, zudem in einer späten Einwechslung: Kurz vor dem Abpfiff betrat Sebastian Deisler für wenige Sekunden den Platz, erstmals nach achtmonatiger Verletzungspause. „Ein sehr gutes Gefühl“ habe er da verspürt, und neben seinem persönlichen Fortschritt freute er sich über den der Kollegen: „Es sieht immer besser aus, hoffen wir, dass es so weitergeht.“

Die Chancen darauf stehen nicht schlecht. Vor der Winterpause trifft der FC Bayern München noch auf Hamburg, Mönchengladbach, Cottbus und Mainz. Das heißt: garantiert auf keinen Tabellenführer.

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