Sport : Vorsicht, keine Kamera!

Friedhard Teuffel

löst auf, warum die Deutschen nicht ins Endspiel kommen Kurz bevor es für die Fußball-Nationalmannschaft losgeht, platzt eine niederschmetternde Nachricht in ihr Quartier. Der prominenteste Kameramann des deutschen Fußballs will nicht mehr. Sepp Maier, nebenbei Bundestorwarttrainer, hat seine Filmkamera zu Hause gelassen und erklärt: „So, wie die spielen, brauche ich die nicht. Da ist mir jeder Millimeter Film zu schade.“

Das ist ein richtig schlechtes Omen, denn Maiers Kamera ist schließlich das technische Maskottchen des Deutschen Fußball-Bundes, eine Art maschinelles Glücksschwein. Als Maier die Kamera 1990 zum ersten Mal mitnahm, wurde Deutschland Weltmeister. Die Kamera wurde auch zur Hauptperson in einem der spektakulärsten Kriminalfälle des deutschen Fußballs. Irgendjemand stahl sie nämlich Maier nach der Siegesfeier aus dem Gepäck. Mit verheulten Augen gab Maier vor der Nation eine Vermisstenanzeige auf. Und siehe da, die Kamera tauchte wieder auf. 1994 ließ er die Kamera bei der WM zu Hause. Was passierte? Niederlage im Viertelfinale. 1996 nahm er sie wieder mit – Europameister.

Jetzt hat sie Maier wieder zu Hause gelassen, und das bedeutet eigentlich: Die Deutschen scheiden spätestens im Halbfinale aus. Denn bei der WM 2002 hatten sie das Finale erreicht – mit Kamera. „Ich filme nur, wenn ich gewisse Voraussetzungen erkenne. Die sind dieses Mal nicht gegeben“, hat Maier gesagt. Zum Glück hat er noch eine Hintertür offen gelassen: Wenn die Mannschaft die Vorrunde übersteht, lässt er sich die Kamera nachschicken. Die deutschen Fußballer können also nur an sich selber scheitern – oder an der portugiesischen Post.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben