Sport : Vorsicht, Steilkurve!

Beim DTM-Rennen auf dem Eurospeedway wird diesmal besonders viel Mut verlangt

Hartmut Moheit

Berlin. Selbst ein erfahrener Rennfahrer wie Bernd Schneider kennt noch nicht alle Tücken in seinem Job. Zwar glaubt der ehemalige Formel-1-Pilot, in „Homestead, Daytona oder Fontana schon auf ähnlichen Kursen“ gefahren zu sein, aber er ist sich dennoch nicht ganz sicher, „ob die Rennstrecken in den USA mit dem Eurospeedway wirklich vergleichbar sind“. Deshalb möchte der Mercedes-Profi den so genannten „Turn One“, die superschnell zu fahrene Steilkurve in der Lausitz, auch erst einmal selbst getestet haben. Dieser Streckenabschnitt wurde noch nie im Deutschen Tourenwagen Masters befahren. „Ich glaube aber nicht, dass diese Kurve mit Vollgas zu schaffen sein wird“, wagte Schneider eine Prognose, bevor das erste DTM-Training anstand.

Aber es ist nicht diese markante Passage auf dem Eurospeedway allein, die den 38-Jährigen aus St. Ingbert etwas im Ungewissen lässt. Wenn er am Sonntag um 14 Uhr zum vierten DTM-Lauf in dieser Saison startet, steht der dreimalige Meister zugleich vor der Frage, ob er diesmal wieder, wie zum Auftakt auf dem Hockenheimring, die jungen Heißsporne besiegen kann? Vor allem sein Teamgefährte Christijan Albers aus Holland, der die Rennen zwei und drei gewonnen hatte, übernimmt mehr und mehr die Rolle des Kronprinzen. „Es wäre doch langweilig, wenn es nicht so wäre“, sagt Schneider, „außerdem hatte ich schon immer schnelle Konkurrenz im eigenen Team.“ Momentan liegt Schneider mit 19 Punkten hinter Albers (24) und dem Schweizer Marcel Fässler (21) auf dem dritten Platz.

Dieses Trio, dazu noch der ehemalige Formel-1-Star Jean Alesi aus Frankreich, fährt das neuste und damit stärkste Modell eines AMG-Mercedes. Der Berliner Stefan Mücke hat mit dem Vorjahresmodell nicht so viele Pferdestärken zur Verfügung. Nach drei Rennen steht er auch noch ohne Punkte da. Aber für einen „starken Fahrer“ hält ihn Bernd Schneider dennoch. „Im vergangenen Jahr war Stefan noch ein Team-Kollege von Christijan Albers und hat ihn auch besiegt. Daran kann man ableiten, wie gut auch Stefan ist. Es gibt nun mal nur vier Fahrer bei Mercedes, die das beste Auto bekommen.“

Stefan Mücke, der 2002 direkt aus der Formel 3 in ein Werks-Cockpit bei Mercedes- Benz gewechselt war, hat sich bisher unter Wert verkauft. Beim letzten Rennen auf dem Nürburgring handelte er sich für das Überfahren der Sperrklinke an der Boxengassen-Ausfahrt eine Strafe ein, die ihn eine Top-Ten-Platzierung kostete. Der 21-Jährige, von dem Bernd Schneider sagt, dass er „ein netter Typ ist, mit dem man viel Spaß haben kann“, hat sich den ersten Punktgewinn nun für sein Heimrennen vorgenommen. „So einen Fehler macht man nur einmal, der Punkt ist jetzt fällig“, sagt Mücke, der dafür Platz acht belegen müsste. Und schließlich kommt die Konkurrenz nicht nur von Mercedes. Audi, mit Vorjahresmeister Laurent Aiello, und Opel, mit Peter Dubcek, sind nicht schwächer besetzt. Aber auch sie werden an diesem Wochenende erst einmal mit einem fertig werden müssen: „Turn One“. Sie werden viel Mut in der Steilkurve brauchen – die Alten wie die Jungen.

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