Sport : Vorsicht vor Osteuropa

Wettanbieter streichen Ligen aus dem Programm

Frank Bachner

Berlin - Die Internetadresse lautet betradar.com, und für Buchmacher ist sie ein Segen. Jedenfalls sagt das Hans Güth, Inhaber der Internationalen Sportinformation Europe (ISE) in der hessischen Kleinstadt Ilversheim, die über betradar.com Infos liefert. „Wir helfen den Buchmachern, viel Geld zu sparen.“ Die ISE ist ein Frühwarnsystem für Wettanbieter. Die ISE beobachtet alle Umsätze und Einsätze auf Fußballspiele, auf die gewettet werden kann. Bei Auffälligkeiten sendet ISE sofort ein Warnsignal. Wenn etwa drei Buchmacher in kürzester Zeit Quoten verringern, erfahren das alle Wettanbieter, die Betradar-Kunden sind. In Europa sind das rund 100.

Und Betradar warnt häufig. Vor allem im Uefa-Cup „gab es in den letzten Jahren relativ viele Auffälligkeiten“ (Güth). Soll heißen: Es besteht Manipulationsverdacht. „Es gibt Nationen wie Albanien, Armenien oder Georgien, da ist man vorsichtig“, sagt der ISE-Chef. „Wenn zwei osteuropäische Teams gegeneinander antreten, etwa Dynamo Tiflis gegen Partizan Tirana, dann läuten die Alarmglocken.“ Bei solchen Spielen bietet ISE den Buchmachern erst gar keine Quoten an, teilt aber mit, dass Bedenken bestehen. Ob ein Buchmacher dann aussteigt, ist seine Sache. Viele aber reagieren auf den ISE-Hinweis.

Alarm schlug ISE vor einiger Zeit auch vor dem Uefa-Cup-Spiel Dundee gegen Partizan Tirana. Es gab Hinweise, dass Tirana nur mit einer besseren Jugendmannschaft antreten werde. Prompt verloren die Albaner klar. „Es gibt Partien, da stinkt es gewaltig“, sagt Güth. Ein anderer Insider wird deutlicher: „Das Uefa-Cup- Spiel Panionios Athen – Tiflis wurde ganz sicher verschoben.“ Athen lag zur Halbzeit zurück und gewann 5:2. Genau auf diesen Spielverlauf (Halbzeit-Endstand- Wette) gingen enorm hohe Einsätze ein. Die Quote lag bei 25:1. Die Deutsche Fußball-Liga kündigte nach dem verdächtigen Zweitligaspiel Aue – Oberhausen (2:0) gestern an, sie wolle sich jetzt „generell mit Sportwetten befassen“.

Spieltage von bestimmten osteuropäischen Ligen werden so gut wie nicht mehr für Wetten angeboten. „Kaum ein Buchmacher in Europa hat etwa die erste georgische, die erste albanische oder die zweite ukrainische Liga“, sagt Güth. Bernd Hobiger, Chef des Berliner Wettbüros Goldesel, verlor 2002 mit der ersten ungarischen Liga 200 000 Euro. Seither nimmt er für Partien bei den osteuropäischen Spieltagen, die er anbietet, maximal 300 Euro. Eine WM oder EM hält der 45-Jährige dagegen für korruptionsfrei. „Dort schauen zu viele Fans zu.“

In der fünftklassigen „Kärntner-Liga“ in Österreich gibt’s dagegen kaum Zuschauer. Diese Unauffälligkeit sollen slowenische Spieler, die in dieser Liga antraten, vor wenigen Jahren genutzt haben. Über Strohmänner sollen sie bei lokalen Buchmachern viel Geld auf Niederlagen ihrer eigenen Teams gesetzt haben. Bewiesen werden konnte nichts. Aber ein paar Buchmacher hatten Verdacht geschöpft. Sie verweigerten die Auszahlung der Gewinne und warteten, ob sie verklagt würden. Hochgradig zufrieden stellten sie fest: Keiner zog vor Gericht.

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