Sport : Vorsichtig aus Erfahrung

Eisbären-Trainer Pierre Pagé redet vor DEL-Saisonbeginn nicht vom Titel

Claus Vetter

Berlin - Pierre Pagé zögert nicht lange. Nachdem sich der Trainer der Eisbären mit einer schönen Metapher aus dem Springreiten für das verstärkte Engagement des Hauptsponsors seines Klubs bedankt hat – so unter dem Motto „damit kommen wir hoch hinaus“ –, kommt der eloquente Kanadier zum Wesentlichen. Freitag startet die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) in ihre elfte Saison. Die Eisbären werden mitspielen, gewaltig stark sogar, verspricht Pagé. „Wir wollen die besten in Deutschland, ja die besten in Europa sein.“ Schön, und wie steht es mit dem Gewinn der nationalen Meisterschaft? „Die wollen unsere Fans, unsere Zuschauer und die Medien.“

Die eigene Vergangenheit macht vorsichtig. Vor zwei Jahren sind die Eisbären im Halbfinale gescheitert, vergangene Saison im Finale – beide Male waren sie als Tabellenführer der Hauptrunde in die Play-offs gegangen. „Ich werde niemals eine Meisterschaft versprechen“, sagt Pagé. „Obwohl wir die natürlich wollen.“ Und: „Jeder, der in der DEL den Titel verspricht, ist ein Lügner. Das lässt sich nicht versprechen.“ Gerade diesmal nicht, findet Pagé. Und er zählt auf, welche Konkurrenzunternehmen sich blendend verstärkt haben: Ingolstadt mit Marco Sturm, dem zurzeit besten deutschen Spieler, Mannheim natürlich und selbst Augsburg. Hilfe, wo bleiben denn da die Eisbären, mag der neutrale Betrachter angesichts dieser Auflistung denken, zumal in ihr alle Halbfinalisten der Vorsaison fehlen: Meister Frankfurt, Hamburg und Köln. Aber Pagé beruhigt: „Wir müssen auch besser werden.“

Die Umsetzung dieses Vorhabens erscheint angesichts des neuen Kaders der Eisbären nicht unmöglich, aber auch nicht einfach: Bei den deutschen Spielern haben die Berliner quantitativ und auch qualitativ zugelegt: Mit Stefan Ustorf ist ein guter, erfahrener Stürmer gekommen, und was deutsche Talente betrifft, haben die Eisbären mit Klubs wie Mannheim oder Köln gleichgezogen. Und dafür, dass die Nachwuchsförderung künftig auf noch breiterer Ebene betrieben wird, sorgt Hauptsponsor Gasag, der sein Engagement für drei Jahre verlängert und dabei allein 150 000 Euro zusätzlich für den Nachwuchs zur Verfügung stellt. Pagés Augen glänzen, als er davon erzählt. Weniger begeistert ist er vom Zustand seiner erfahrenen, ausländischen Spieler. Insbesondere die neuen kanadischen Verteidiger Derrick Walser und Shawn Heins haben in der Vorbereitung und im Pokalspiel bei Drittligist München (2:1 für die Eisbären, die in der nächsten Runde am 19. Oktober in Ingolstadt antreten) wenig gezeigt. Pagé versucht es mit Humor, wenn auch etwas anderes in ihm vorgehen mag: „Die alten Spieler werden bald besser sein. Bald ist übrigens Freitag.“ Da beginnt für die Berliner die Saison mit dem Heimspiel gegen Frankfurt. Bis dahin kann noch viel passieren: Mittwochnacht verhandeln in der NHL Klubbesitzer und Spielergewerkschaft über eine Budget-Grenze für die Klubs. Eine Einigung ist unwahrscheinlich, der nordamerikanischen Profiliga droht eine lange Spielpause. „200 gute Spieler werden auf dem Markt sein“, sagt Pagé. Selbst der kanadische Star Dany Heatley – wie bereits im August im Tagesspiegel berichtet – sei noch ein Thema, sagt Manager Peter John Lee.

So viel steht fest, trotz verstärkter Förderung deutscher Spieler: Die Stars der Eisbären werden aus dem Ausland kommen. Das lässt sich schon an der Wahl des Kapitäns ablesen – der heißt nun Steve Walker, sein kanadischer Landsmann Denis Pederson und der Schwede Ricard Persson sind die Assistenten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben