Sport : Vorsichtig feiern

Schottland setzt sich vor Italien und Frankreich fest

Markus Hesselmann

London - Die englischen Fußballer kennen das schon. Da haben sie endlich eine Siegesserie – zuletzt mit einem 3:0 gegen Estland am Samstag in Wembley – und sind auf gutem Wege, sich für die EM 2008 zu qualifizieren. Doch mehr Aufmerksamkeit bekommen auf der Insel derzeit andere: Die englischen Rugbyspieler, die im WM-Halbfinale Frankreich bezwangen, und die schottischen Fußballer, die in Glasgow 3:1 gegen die Ukraine gewannen. Die Schotten führen in ihrer Qualifikationsgruppe vor Italien und Frankreich, während sich die Engländer in einer leichteren Gruppe mit den Hauptkonkurrenten Kroatien und Russland lange schwertaten. „Darf ich für Schottland halten?“, fragte Barney Ronay, Kolumnist der Zeitung „The Guardian“. Er fürchte aber, dass die Schotten antworten: Hau ab, du bist Engländer, wir hassen dich.

Derart arrogante Töne waren aus Glasgow gestern nicht zu hören. Nationaltrainer Alex McLeish sprach zwar vom „besten Spiel im Hampden Park in meiner Amtszeit“. Doch erstens ist diese Amtszeit mit neun Monaten noch nicht lang und zweitens kriegte McLeish die Kurve vom Feiern zur Vorsicht. Er verwies auf die Sperren von O’Connor und McCulloch im Spiel am Mittwoch in Georgien sowie Verletzungssorgen um Miller, Ferguson, McManus, Brown und Naysmith. Unter solchen Voraussetzungen sei es für ein kleines Fußballland wie Schottland schwierig, mit Größen wie Italien und Frankreich im Kampf um die beiden Qualifikationsplätze mitzuhalten.

Klaus Toppmöller, Trainer des noch kleineren Fußballlandes Georgien, ließ derweil via „Sunday Mail“ ausrichten, dass sein Team nicht vorhabe, beim schottischen Triumphzug Spalier zu stehen: „Ich glaube, wir können gewinnen.“ Selbst wenn die Schotten in Tiflis verlieren sollten, bleibt ihnen in ihrem letzten Spiel noch die Chance, mit einem Sieg gegen Italien die Qualifikation zu schaffen. „Nun wird das Spiel in Glasgow eine Schlacht. Aber wir sind bereit“, sagte der italienische Nationalspieler Andrea Pirlo laut dpa. McLeish drückte es weniger kriegerisch aus: „Wir haben jetzt zwei Pokalfinalspiele vor uns.“ Markus Hesselmann

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