Sport : Vorsichtige Annäherung

Herthas Kapitän Preetz spricht mit Marcelinho

Sven Goldmann

Berlin. Problem? Welches Problem? Huub Stevens ist die Fragen leid, die Fragen nach seinem einstigen Musterschüler Marcelinho und dessen nächtlichen Ausflügen, die dem Spiel von Hertha BSC so abträglich waren in den letzten Wochen. Erst recht nicht hören mag er die Frage, welche persönlichen Konsequenzen er als Trainer denn aus dem Verhalten des brasilianischen Nationalspielers ziehen werde. Lässt er ihn am Sonnabend beim Spiel gegen 1860 München erst einmal auf der Ersatzbank, ja vielleicht sogar auf der Tribüne? So etwas ist Marcelinho in seinen eineinhalb Berliner Jahren noch nie passiert, aber er war noch nie so nah dran wie an diesem Wochenende. Sein Trainer flüchtet sich einstweilen ins Nebulöse: „Wenn Marcelo fit ist und im Training gute Arbeit zeigt, dann wird er zu den 18 Spielern gehören, aus denen ich die Mannschaft für das Spiel gegen 1860 bilden werde“, sagte Stevens.

Bei seinen Kollegen war Marcelinho mit seinen nächtlichen Eskapaden alles andere als gut angekommen. Die dem Brasilianer entgegengebrachte Stimmung lässt sich als kühl bezeichnen. „So etwas reguliert sich innerhalb einer Mannschaft von selbst“, sagte Hertha-Pressesprecher Hans-Georg Felder. Mannschaftskapitän Michael Preetz wählte für die teaminternen Disziplinierungsmaßnahmen die fußballspezifische Umschreibung, Marcelinho werde in dieser Woche „einiges auf die Stöcke bekommen“. In den ersten Trainingseinheiten nach der 0:1-Niederlage in Hamburg wurde Marcelinho ein ums andere Mal umgegrätscht, und wo in der Bundesliga jeder Schiedsrichter sofort gepfiffen hätte, schaute Trainer Stevens nur beiseite, scheinbar desinteressiert.

Am Mittwoch brach Preetz das Schweigen und führte gemeinsam mit Manager Dieter Hoeneß ein erstes Gespräch mit Marcelinho. „Es gab Klärungsbedarf, der ist fürs Erste gedeckt“, sagte Michael Preetz. Das Gespräch sei den Umständen entsprechend positiv verlaufen. „Marcelo hat eingesehen, dass er sich nicht richtig verhalten hat. Er hat gesagt, dass er die Tragweite nicht überblickt hat und dass er auf keinen Fall das anrichten wollte, womit wir seit Montag zu tun haben.“

Alles erledigt und vergessen? Hoeneß immerhin nahm die Entschuldigung von Marcelinho an. „Wir gehen davon aus, dass er die Antwort auf dem Platz geben wird.“ Und Preetz sagte: „Ich wünsche mir nur eines: dass wir wieder mehr über Fußball und weniger über Karneval reden.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar