Vorsichtsmaßnahmen : Hertha unter Polizeischutz

Der neue Arbeitstag beginnt für die Spieler von Hertha BSC so, wie der alte aufgehört hat: mit einer Beleidigung aus den eigenen Reihen. Wie der Verein auf die Randale reagiert.

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Eine ganz besondere Trainingseinheit. Die Polizei passte auf, als Herthas Spieler gestern vom Auslaufen aufs Vereinsgelände...dpa-Zentralbild

Berlin - Der neue Arbeitstag beginnt für die Spieler von Hertha BSC so, wie der alte aufgehört hat: mit einer Beleidigung aus den eigenen Reihen. An der Abfahrt zur Hanns-Braun-Straße haben sich acht jugendliche Fans des Berliner Bundesligisten postiert. Ihre Grüße an die Fußballer haben sie auf ein Transparent gemalt, das jetzt am Zaun hängt, gut sichtbar für die Profis, die auf dem Weg zum Training hier vorbeifahren müssen: „Verpisst euch! Absteiger!“ Um Viertel vor elf rollen sie das Plakat wieder ein. Mehr Protest ist an diesem Tag nicht möglich. Fünf Mannschaftswagen der Polizei sind auf dem Vereinsgelände vorgefahren, ein weiterer steht am U-Bahnhof Olympiastadion. Das hat es noch nie gegeben, dass Hertha BSC unter Polizeischutz trainieren muss.

Die Ereignisse vom Vortag haben die Vorsichtsmaßnahmen notwendig gemacht. Nach der 1:2-Niederlage des Tabellenletzten gegen den 1. FC Nürnberg stürmten gut hundertfünfzig zum Teil vermummte Fans mit Fahnenstangen und Holzlatten den Platz im Olympiastadion, sie zertrümmerten Werbebanden und Trainerbänke. „Im Stadion war gestern Ausnahmezustand“, sagte Herthas Kapitän Arne Friedrich, der von den Ausschreitungen wie seine Kollegen zunächst gar nichts mitbekommen hatte. Die Berliner Spieler waren bereits in der Kabine, als der Mob den Graben überwand und das Spielfeld enterte. Die Nürnberger hingegen mussten sich im Laufschritt aus der Gefahrenzone retten. „Bei allem Ärger – das können wir nicht gutheißen, das geht nicht“, sagte Friedrich. „Wir sind alle schockiert.“

Am Tag danach immerhin bleibt es ruhig. Die Berliner trainieren unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Statistisch gesehen kommt auf zwei Fans, die sich trotzdem zum Trainingsgelände aufgemacht haben, ein Mannschaftswagen der Polizei. Um fünf vor elf startet der gesamte Kader inklusive Ersatzspieler zum Auslaufen, in der Geschäftsstelle hat sich derweil die Vereinsführung versammelt, um die Ereignisse vom Samstag aufzuarbeiten. Manager Michael Preetz ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass fast 60 000 Menschen die Mannschaft im Olympiastadion fantastisch unterstützt hätten und dass es „nur ein paar wenige“ gewesen seien, die sich unrechtmäßig Zutritt zum Innenraum verschafft hätten. „Diese Leute wollen wir nicht im Stadion“, sagt er. „Wir verstehen die Enttäuschung, aber wir distanzieren uns komplett von jeder Handlung, die in den Bereich Kriminalität geht.“ Preetz kündigt an, dass der Verein hart durchgreifen und bundesweite Stadionverbote gegen die Randalierer verhängen werde.

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verlangt von Hertha BSC eine Stellungnahme und wird danach entscheiden, ob das Sportgericht tätig wird. „Wir stellen uns unserer Verantwortung als Hausherr“, sagt Manager Preetz. Die Berliner hatten den Verband schon vor dem Spiel von der Brisanz der Begegnung im Abstiegskampf unterrichtet und ein Protokoll über die geplanten Maßnahmen verfasst. In einer ersten Reaktion, so Preetz, habe der DFB dem Verein bescheinigt, „dass wir sehr besonnen reagiert haben“. Insofern sieht er einer möglichen Bestrafung gelassen entgegen: „Wenn der DFB der Meinung ist, dass wir unsere Arbeit gemacht haben, sollte sich das nicht negativ bemerkbar machen.“

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