VORSPIEL von Mathias Klappenbach : VORSPIEL von Mathias Klappenbach

Zeit ist eine ständig knappe Ressource, und ihre übliche Maßeinheit beim Fußball beträgt eine Woche. Wird sie, egal mit welcher Floskel, von Klub-Verantwortlichen ins Spiel gebracht, ist der Job des Trainers grundsätzlich gefährdet. Der muss zwar von Spiel zu Spiel denken, zugleich aber auch langfristiger planen. Die Mannschaften von Felix Magath werden häufig nach der Winterpause stärker, weil sich im zweiten Halbjahr das harte Training auszahlt. In dieser Woche ordnete Wolfsburgs Coach für einige seiner Spieler einen erneuten Laktattest an, um zu sehen, ob das intensive Training langsam Erfolg bringt. Auch wenn es gut für seine Stellung ist, dass sich der VfL langsam an die internationalen Startplätze heranrobbt, hat es Magath nicht so eilig wie andere. Er hat in Wolfsburg großen Einfluss auf den Umgang mit der Ressource Zeit; und einstweilen kann er auf Mario Mandzukic bauen, der als zurückgezogener Stürmerspielmacher die Angriffe oft selbst strukturiert und auch vollendet. Einen solch herausragenden Spieler hat Thorsten Fink nicht zur Verfügung, um seine Idee von der dominanten Spielweise umzusetzen. Dominanz entsteht üblicherweise im Mittelfeld, der neue Hamburger Trainer muss darauf bauen, dass im von ihm bevorzugten 4-4-2-System die vier dort vorgesehenen Spieler stark genug sind, die beiden Stürmer ins Spiel zu bringen. Die richtige Besetzung dafür wird sich kaum auf Anhieb finden, zu wichtig für das Offensivspiel sind vor allem die offensiveren Außenpositionen. Drei Monate setzt Fink an, bis seine Mannschaft den neuen Stil komplett verinnerlicht haben wird. Der chaotische Tabellenletzte HSV dürstet nach einem Retter und scheint in seiner Verzweiflung bereit, Fink diese Zeit auch bei anfänglicher Fortsetzung des Misserfolgs zuzugestehen. Der erste Heimsieg der Bundesligasaison sollte trotzdem bald kommen.

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