Sport : Vorstoß mit Nachspiel bei Union

MARKUS HESSELMANN

Verschuldeter Fußball-Regionalligist einigt sich mit neuem Ausrüster / Alter Ausrüster besteht auf Vertrag / Nike: "Hilfe zur Selbsthilfe" aber keine SanierungVON MARKUS HESSELMANN BERLIN.Die Unterzeichnung eines Ausrüstervertrags zwischen dem in finanziellen Nöten steckenden Fußball-Regionalligisten 1.FC Union und dem Sportartikelhersteller Nike wurde gestern bei einer Pressekonferenz in Köpenick bekanntgegeben.Der Vertrag gilt ab dem 1.April und läuft bis Juni 2002.Über das Volumen des Kontrakts wollten allerdings weder Unions Präsident Horst Kahstein, noch der Geschäftsführer von Nike Deutschland, Jürgen Schlebrowski, nähere Angaben machen."Das Überleben des Klubs ist nun erst einmal gesichert", sagte Kahstein."Und uns stand das Wasser wirklich bis zum Hals", fügte er für jene Zweifler hinzu, die seine Drohung mit dem Gang zum Konkursrichter für einen Trick hielten, um an potentielle neue Geldgeber zu appellieren und alte Gläubiger zu Stundung oder Teilerlaß zu ermuntern.Denn letztere würden bei einem Konkurs leer ausgehen.Zum Streit mit dem alten Ausrüster Diadora teilte Unions Anwalt Hanns-Ekkehard Plöger mit, daß eine Reaktion des Diadora-Vertreibers Hacker-Sport auf die einseitig von Union vorgenommene Vertragskündigung noch ausstehe.Da Hackers Anwalt Matthias Durst den Vertrag aber weiterhin als gültig ansieht, scheint eine gerichtliche Konfrontation unausweichlich. Schlebrowski bestätigte unterdessen, daß Nike mit dem Vertrag keineswegs in großem finanziellen Umfang bei Union einsteigt.Vielmehr wolle man "Hilfe zur Selbsthilfe" leisten und Kontakte zu weiteren Sponsoren herstellen.Ein erstes Ergebnis dieser Bemühungen wurde gestern präsentiert: Ab sofort wird Karstadt Sport als neuer Trikotsponsor agieren sowie ein Merchandising-Konzept erarbeiten.Zudem hätten die "Nike-Klubs" 1860 München und Borussia Dortmund die Bereitschaft erklärt, zu einem Benefizspiel für Union in der Alten Försterei anzutreten - die "Löwen" schon am 6.Juli, der BVB in der nächsten Saison.Der Ausrüstervertrag selbst beeinhalte nur einen für die Regionalliga angemessenen Betrag, betonte Schlebrowski.Sein Sprecher Oliver Heieck wollte eine jährliche Summe von 100 000 Mark nicht bestätigen.Allerdings handelt es sich hierbei um einen in der Regionalliga üblichen Betrag. Offen blieb, wie der hochverschuldete Verein mit derart geringen Summen saniert werden soll.Kahstein: "1,5 Millionen Verbindlichkeiten konnten in Zusammenarbeit mit den Gläubigern getilgt oder gestundet werden." Auch dabei habe Nike eine vermittelnde Rolle gespielt.Zum Verbleib der immer wieder im Raume stehenden Schulden-Last von drei Millionen Mark wollte sich Kahstein nicht äußern.Schlebrowski sagte, daß Nike durchaus an eine Ausweitung des finanziellen Engagements denke.Der Sportartikelhersteller knüpft dieses Versprechen aber an Änderungen in der Vereinsstruktur und fordert etwa die Einsetzung eines hauptamtlichen Managers, der sich um wirtschaftliche Belange kümmert."Mittelfristig", so Schlebrowski, werde der Aufstieg in die Zweite Liga angepeilt - auf keinen Fall aber schon in der nächsten Saison. Hackers Anwalt Durst zeigte sich gestern überrascht über den gemeinsamen Vorstoß von Union und Nike: "Mit uns hat immer noch niemand verhandelt." Dabei sei Haêker-Sport dem Verein schon sehr weit entgegengekommen mit dem Angebot, 70 000 der insgesamt für eine Vertragsauflösung geforderten 100 000 Mark bis zu einer Besserung der finanziellen Situation zu stunden.Plöger nannte dieses Angebot inakzeptabel und verwies auf die durch den drohenden Konkurs entstandene neue Situation, die zur Kündigung des bestehenden Vertrages berechtige.Durst erwägt nun rechtliche Schritte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben