Sport : Vorteil Adidas

Michael Rosentritt verteidigt den Vertrag des DFB mit seinem Ausrüster

Michael Rosentritt

Die Deutsche Fußball-Liga, die den Profifußball vertritt, läuft zuweilen Gefahr, in Vergessenheit zu geraten. Jetzt aber hat sie ein Thema gefunden: Gegen die Stimmen der DFL-Vertreter hat der Deutsche Fußball-Bund den Ausrüstervertrag mit Adidas bis 2018 verlängert. Am Montag wurde der Vertrag fixiert. Die DFL kritisiert das scharf: Mit Nike wäre mehr Geld drin gewesen.

Zunächst die Fakten: Tatsächlich hat der DFB am Ende schnell entschieden, tatsächlich nimmt der DFB bis 2018 nur 200 Millionen Euro ein – anstatt die von Nike gebotenen 500 Millionen Euro. Doch Fakt ist auch: Der DFB hatte am Ende kaum eine andere Wahl.

Die DFL blendet einiges aus. Erstens die Empfehlung eines neutralen Schiedsgerichts, DFB und Adidas sollten einen Vergleich finden – denn rein rechtlich endete der alte Vertrag nicht unbedingt schon 2010. Genau das aber war die Grundbedingung Nikes. Ob Nike auch 2015 noch so viel Geld geboten hätte? Der Abschluss mit Adidas ist übrigens der höchste eines Fußball-Nationalverbandes mit einem Ausrüster weltweit.

Der Knackpunkt ist ein ganz anderer. Nach der WM pochten die deutschen Nationalspieler auf freie Schuhwahl, sonst würden sie nicht mehr auflaufen. Ausrüster Adidas lenkte ein, entließ den DFB aus dieser Verpflichtung. Dafür sagte der DFB die Vertragsverlängerung mit dem alten Partner bis 2014 zu. Nike hatte es damals geschafft, dass ein Großteil der Nationalspieler in den Schuhen mit dem Swoosh kickt. Aber damit nahmen sich die Amerikaner aus dem großen Spiel.

Natürlich hat die DFL jedes Recht, sich zu ärgern. Schließlich ist sie laut Grundlagenvertrag mit 18 Prozent an den Zuwendungen des Ausrüsters beteiligt. Natürlich muss die DFL Geld verdienen – aber dafür ist sie auch selbst verantwortlich. Die DFL verhandelt die Übertragungsrechte der Bundesliga und der Zweiten Liga, in ihren Händen allein liegt die Auslandsvermarktung des deutschen Profifußballs. Genau in diesen Bereichen akquirieren die Ligen aus England, Spanien und Italien ihre finanziellen Vorteile gegenüber der Bundesliga. Hier ist die DFL als Verhandlungsführer gefragt. Gegen einen besser dotierten Fernsehvertrag hätte sicher auch der DFB nichts.

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