Sport : „Vorteil für die Verteidiger“

Tischtennis-Bundestrainer Schimmelpfennig über die Europameisterschaften in Courmayeur

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Herr Schimmelpfennig, die Spielbedingungen bei den Europameisterschaften in Courmayeur sollen nicht die besten gewesen sein. Was war das Problem?

Die Oberfläche der Tische war sehr glatt und rutschig, sodass die Bälle flacher als sonst absprangen und sehr viel Rotation hatten. Durch den geringeren Luftwiderstand in 1200 Metern Höhe sprangen die Bälle zusätzlich etwas länger. Für Verteidiger war das ein Vorteil.

Und für die anderen Spieler?

Die haben sich individuell darauf eingestellt. Es hatten aber diejenigen Spieler einen Vorteil, die den Ball gewöhnlich etwas weiter hinter dem Tisch treffen und dadurch länger auf das unerwartete Sprungverhalten des Balles reagieren konnten – wie zum Beispiel Torben Wosik und der neue Europameister Wladimir Samsonow.

Diese Schwierigkeiten waren aber doch schon vorher bekannt.

Wir wussten darum und sind deshalb zwei Tage früher als üblich angereist.

Die Weißrussen und die Österreicher absolvierten dagegen sogar ein Höhentraining.

Die Idee war nicht schlecht, noch höher als auf 1200 Meter zu trainieren, also von oben zu kommen. Aber wenn das einen großen Unterschied gemacht hätte, wären am Ende die Österreicher um den WeltranglistenVierten Werner Schlager mit den Weißrussen auf dem Treppchen gelandet. Und nicht wir.

Die ungewöhnlichen Bedingungen entstanden ja erst durch den unglücklich gewählten Austragungsort Courmayeur.

Ja, der Tischtennis-Weltverband hatte Schwierigkeiten, einen Ausrichter zu finden, weil der Zweijahreszyklus der EM nun um ein Jahr verschoben wurde. Die EM wurde dann nach Italien vergeben, und da wurde der Ort wohl nach rein ökonomischen Gesichtspunkten ausgewählt. Am Ende der Skisaison bekommt man in einem Wintersportort durch so eine Veranstaltung noch einmal die Betten voll. Für das Tischtennis war es kontraproduktiv.

Wann beginnen die Vorbereitungen auf die am 19. Mai beginnende Weltmeisterschaft in Paris?

Die beginnen natürlich sofort. Übrigens hat Samsonow schon beim weißrussischen Verband angefragt, ob er sich mit den Deutschen auf die WM vorbereiten darf. Das darf er natürlich. Das ist nicht ungewöhnlich, weil die Weißrussen nicht viele gute Spieler haben. Samsonow trainiert daher oft mit anderen Nationen mit.

Das Gespräch führte Jörg Petrasch

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