Sport : Vorteil Hertha

Giuseppe Reina spielt in der Rückrunde um einen neuen Vertrag

Stefan Hermanns

Berlin - Verlässliche Aussagen hören sich anders an. „Wir haben doch Zeit“, sagt Falko Götz, der Trainer des Berliner Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Im Sommer läuft der Vertrag von Giuseppe Reina bei Hertha aus, bisher aber gibt es noch nicht einmal einen Termin für Verhandlungen um eine mögliche Verlängerung. „Die Zeit wird kommen, dass wir uns an einen Tisch setzen“, sagt Reina. Ein optimistischer Mensch ist er schon immer gewesen.

Vor einem Jahr wäre niemand auf die Idee gekommen, dass es überhaupt Diskussionen um Reinas Vertragsverlängerung geben könnte. Der Offensivspieler ist der spezielle Liebling des Berliner Publikums. Schon bei seinem ersten Auftritt im Olympiastadion feierten ihn die Fans wie einen Retter, weil Reina – noch unbeschwert vom leidigen Abstiegskampf – eine ungekannte Leichtigkeit ins Berliner Spiel brachte.

Sein aktueller Vertrag enthält eine Klausel, nach der sich die Laufzeit automatisch um ein Jahr verlängert, wenn Reina in dieser Saison 25 Bundesligaspiele bestreitet. Wirksam werden kann diese Klausel allerdings nicht mehr. Im März des vergangenen Jahres hat sich Reina, nach nur sieben Einsätzen für Hertha, das Kreuzband gerissen. Erst Ende November konnte er wieder spielen. „Es ist doch selbstverständlich, dass wir über einen neuen Vertrag reden, wenn er zur alten Form zurückfindet“, hat Herthas Manager Dieter Hoeneß kurz vor Reinas Comeback gesagt. Das sollte ihm damals eigentlich Mut machen. Inzwischen hört es sich fast wie eine Drohung an. Denn was passiert, wenn Reina in den nächsten beiden Monaten nicht wieder zu alter Stärke findet?

Die Zeit drängt. Reina muss seine körperlichen und spielerischen Defizite möglichst schnell beheben, um sich für einen neuen Vertrag zu empfehlen. „Er kämpft“, sagt Götz. Die Rückrunde wird für den fast 33-Jährigen ein permanentes Vorspielen sein. Hertha hingegen kann Reinas Entwicklung in aller Ruhe verfolgen und dann eine Entscheidung treffen. „Wir haben Geduld“, sagt Götz.

Bei seinen acht Einsätzen in dieser Saison hat Reina zwar „immer wieder gute Ansätze gezeigt“, wie Herthas Trainer sagt. „Aber man merkt halt, dass er lange verletzt war.“ Wenn er im Olympiastadion spielt, bejubeln die Fans weiterhin jeden seiner Ballkontakte; spektakuläre Situationen, seine Tempodribblings an der rechten Seite zum Beispiel, sind jedoch selten geworden.

„Ich bin noch nicht bei 100 Prozent“, sagt Reina, „die Sicherheit fehlt noch.“ Er gibt auch zu, dass die ungeklärte sportliche Situation ihn beschäftigt. Falko Götz will „ihm helfen, dass er wieder die nötige Lockerheit bekommt“. Vielleicht ist es wirklich nur eine Frage der Zeit – der Zeit, die Reina nicht mehr hat. „Man sagt ja, dass man nach einer Verletzung noch einmal so lange braucht, wie man pausiert hat, um wieder zu alter Stärke zu finden“, sagt er. Bei Giuseppe Reina wäre es demnach Ende Juli so weit.

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