Sport : Vorwärts in die Vergangenheit

Benedikt Voigt

Als Derrick Phelps den Vorraum des VIP-Raumes erreichte, trug er seine Nase in der linken Hand. Es war jedoch keine neue Verletzung, sondern nur eine Papiertüte mit den Röntgenaufnahmen seiner Polypen. Am 20. Dezember wird er in Berlin an der Nase operiert, die Polypen hindern Phelps beim Atmen. "Mit den Polypen ist es unverändert, aber meine Erkältung ist weg", berichtete der US-Amerikaner, während der Schweiß auf seiner Stirn glänzte. Am vergangenen Sonntag hatte er wegen seiner Atembeschwerden im letzten Viertel von der Ersatzbank zusehen müssen, wie seine Mannschaft gegen Leverkusen verlor. "Ich passe jetzt besser auf meine Gesundheit auf", sagte der 29-Jährige, "die Saison wird noch sehr schwer."

Seit Mittwochabend kann der Basketballprofi von Alba Berlin wieder das Erreichen der Zwischenrunde der Euroleague einkalkulieren, die am 27. Februar beginnt. Durch das 99:87 über Spirou Charleroi rückte Alba in der Gruppe A auf Rang sechs vor und kann sich mit drei Siegen und vier Niederlage zumindest noch Hoffnung auf einen der ersten vier Plätze machen. "Wir müssen weiterhin unsere Heimspiele gewinnen", sagte Trainer Emir Mutapcic. Doch nicht nur für die Euroleague war der im letzten Viertel (32:18) sichergestellte Erfolg über den Tabellenletzten der starken Gruppe A wichtig. "Jeder Sieg ist im Moment für uns bedeutsam", sagte Wendell Alexis, "wir sind jetzt zurück auf der Siegerstraße."

Das Selbstbewusstsein beim fünfmaligen Deutschen Meister hatte durch vier Niederlagen in der Bundesliga arg gelitten. "Wir müssen unsere Lockerheit wieder bekommen", sagt der 37-jährige Alexis. In der Offensive spielte Alba gegen Charleroi bereits unbekümmerter, davon zeugen 99 Punkte und eine Wurfquote von 59 Prozent. Doch in der Defensive hatte Alba Probleme, die vier großgewachsenen und beweglichen Belgier Ron Ellis, Louis Rowe, Roger Huggins und Jim Potter zu kontrollieren. Vor allem Potter, der 18 seiner 20 Punkte in der zweiten Halbzeit erzielte, ärgerte Alba mächtig. Alexis sagt: "Wir mussten etwas verändern, um zu verhindern, dass uns dieser Kerl killt."

Emir Mutapcic hatte vor dem letzten Viertel die rettende Eingebung. Er ließ seine erneut schwachen Centerspieler Dejan Koturovic und Teoman Öztürk auf der Bank sitzen und spielte mit den beiden kleineren, aber in der Defensive flexibleren Wendell Alexis und Sven Schultze. "Das hatte ich schon die ganze Zeit im Kopf", sagte der Trainer. Fortan brachte Jim Potter im Angriff nichts mehr zustande, während Derrick Phelps (24 Punkte, davon 22 in der zweiten Halbzeit) und Sven Schultze (14 Punkte) im Angriff die Verantwortung übernahmen.

"Das war eine gute Vorbereitung für Frankfurt", sagt Emir Mutapcic. Die Berliner treten am kommenden Sonntag beim Tabellenführer der Bundesliga an. Als Tabellenfünfter kommt ihnen dort eine in der Bundesliga ungewohnte Rolle zu, sie sind lediglich Außenseiter. Der Trainer warnt: "Wir müssen unser Selbstvertrauen in der Verteidigung wiederbekommen, in Frankfurt werden wir nicht wieder 59 Prozent unserer Würfe treffen." Am darauffolgenden Donnerstag kommt dann Maccabi Tel Aviv in die Max-Schmeling-Halle, der aktuelle Suproleague-Sieger und Titelfavorit in der Euroleague. "Nach diesen beiden Spielen wissen wir wieder, wo wir stehen", sagt Marko Pesic.

Auch ein Erfolg im Spiel gegen Charleroi war nach der Misere der vergangenen Wochen, dass sich kein weiterer Spieler verletzt hatte. Keiner? Aufbauspieler Pesic saß auf dem Podium im Pressekonferenzraum und hielt sich die Schulter. "Ellis hat mich bei einem Block an derselben Stelle erwischt wie bei meiner Verletzung in Istanbul." Pesic hatte es deshalb eilig. "Noch Fragen?", sagte der Aufbauspieler und sprang auf, um sich schnell vom Physiotherapeuthen behandeln zu lassen. Man muss eben auf die Gesundheit aufpassen, die Saison wird noch schwer.

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