Sport : Votava fordert, Bertram lehnt ab

Der 1. FC Union will mit einem Mini-Kader die Saison bestreiten

Karsten Doneck

Berlin. Heiner Bertram fuhr ganz gediegen im Porsche vor. Er stieg aus, grüßte die Umstehenden kurz, dann ging er die Treppen hoch zu den Kabinen. Es hat schon Tradition beim Fußball-Zweitligisten 1. FC Union, dass der Präsident den Spielern vor dem ersten Saisontraining an der Alten Försterei ein paar aufmunternde, mitunter auch aufrüttelnde Takte mit auf den Weg gibt. Den Inhalt der Präsidenten-Ansprache hatte sich Achim Pfuderer gut gemerkt. „Uns wurde gesagt, wir sollen ein Team darstellen. Der Verein sei finanziell kein Riese, jeder sei deshalb umso mehr in der Pflicht, das Beste aus der Situation zu machen“, erzählt der Zugang vom TSV 1860 München.

Bertrams Appell kam nicht von ungefähr: Union will mit einem kleinen Kader von nur 20 Spielern plus den Vertragsamateuren Glinker, Schneider sowie dem Rekonvaleszenten Kozak die 34 Punktspiele durchstehen. „Es ist so viel passiert in der Vergangenheit. Ich darf gar nicht daran denken, wenn wir mal wieder drei oder vier Verletzte haben sollten. Dann müsste ich sofort völlig umdenken“, sagt Mirko Votava. Unions Trainer will sich mit der jetzigen Kaderstärke nicht so einfach abfinden. „Ich werde unseren Präsidenten weiter bearbeiten, damit wir wenigstens noch einen dazu kriegen“, sagt Votava.

Bertram jedoch will sich nicht erweichen lassen. Er verweist vielmehr darauf, dass der aktuelle Spielerkreis mit sieben Zugängen zwar nicht in Sachen numerischer Stärke, aber bei der Charakterstärke früheren Union-Aufgeboten überlegen sei. „Wir haben in unserem Kader Erfahrung gepaart mit Jugend. Das sind alles anständige Burschen, die hier etwas erreichen wollen“, sagt der Präsident. Und er behält weiter eisern die Hand auf der Kasse. Und das, obwohl es als nahezu sicher gilt, dass der Schriftzug der Berliner Stadtreiningung (BSR) auch in der nächsten Saison wieder Unions Trikotbrust zieren wird. Auch wird der Klub von den 290 Millionen Euro Fernsehgeldern, die insgesamt für die Erste und Zweite Bundesliga ausgeschüttet werden, „rund 1,2 bis 1,5 Prozent“ (Bertram) erhalten, aber Geld für weitere neue Spieler lässt sich davon offenbar nicht abzweigen. „Wir haben das Geld, das wir einsetzen konnten, ausgegeben. Jetzt ist Ende“, sagt Bertram.

Und doch gibt es vage Hoffnung, dass Mirko Votava seinen Wunsch nach einem neuen Spieler noch erfüllt bekommt. Dazu müsste sich nur eine Einnahmequelle weiter öffnen, als angedacht ist. Der 1. FC Union hat in seinen 6,5 Millionen Euro umfassenden Saisonetat in aller Bescheidenheit nur eine DFB-Pokalrunde eingerechnet, mithin also lediglich 50 000 Euro. Bertram macht schon ein kleines Zugeständnis. „Wenn wir im Pokal außergewöhnlich gut abschneiden sollten, dann ist da vielleicht noch etwas möglich.“ Und dafür trainiert Union jetzt. Mit kleinem Kader, aber besonders intensiv.

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