Sport : Votum für den Vorstand

Führung beim 1. FC Kaiserslautern entlastet

Oliver Trust

Kaiserslautern - Klaus Toppmöller zeigte auf die handschriftliche Regieanweisung in seinem Ablaufplan. Der einstige Bundesligatrainer und aktuelle Nationaltrainer Georgiens sagte: „Ich will nach vorne ans Mikro.“ Der Vorstand des 1. FC Kaiserslautern aber musste am Freitagabend seinen Trumpf gegen etwaige Tumulte und zu viele Gegenstimmen bei seiner Jahreshauptversammlung nicht zum Einsatz bringen. Toppmöller, später als ehrenamtlicher Aufsichtsrat in Kaiserslautern gewählt, blieb sitzen.

In der Halle unter der Nordtribüne des Fritz-Walter-Stadions ging es turbulent zu. Manchmal wurde am Rande des Chaos debattiert, etwa bei den Wahlgängen zur Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat. Am Ende aber stand das gewünschte Ergebnis: Die rund 1300 Mitglieder des abstiegsbedrohten und finanziell angeschlagenen Zweitligaklubs aus der Pfalz entlasteten ihre Führung und machten den Weg frei für neue Geldgeber, die den Klub vor ernsten Zahlungsschwierigkeiten bewahren sollen. Vorstandschef Erwin Göbel hatte zuvor einen Verlust von 253 000 Euro eingeräumt, der sich auf bis zu 2,5 Millionen Euro ausweiten könnte. Aber durch Sponsorenzusagen sei man abgesichert.

Nur durch ein positives Votum, die Entlastung, sei man in der Lage, schwerwiegende Probleme zu verhindern – mit diesem Programm ging die erst im November um drei ehrenamtliche Vorstände erweiterte Führungscrew ins Wahlrennen, das nach über drei Stunden ein versöhnliches Ende für den Vorstand fand.

Vor allem Aufsichtsratchef Dieter Buchholz darf sich als Gewinner des Abends fühlen. Mit einer kämpferischen Rede brachte er die Mitglieder auf Kurs und zerpflückte nebenbei noch geschickt die Opposition. „Er hat fast zu viel gesagt“, rügte Hans-Artur Bauckhage, ehemaliger Wirtschaftsminister des Landes Rheinland-Pfalz, Buchholz mit einem Lächeln. „Bis Ende Februar, vielleicht früher“, will Bauckhage einen Investor präsentieren. Der 1. FC Kaiserslautern stehe nicht am Rande der Insolvenz.

Dafür steht der Klub aber tief im Abstiegskampf. Der Klassenerhalt ist Voraussetzung für das Sanierungskonzept des von Skandalen und Missmanagement geschüttelten Klubs. Klaus Toppmöller will nun neue Spieler einkaufen. „Ich sehe mich als Integrationsfigur“, sagte er. „Dass die Lage hier so desolat ist, habe ich nicht gedacht.“ Ob Trainer Kjetil Rekdal die neuen Spieler noch begrüßen kann, steht infrage. Bei einer Niederlage am Montag im letzten Hinrundenspiel in Köln, so wird spekuliert, werde der Norweger entlassen. Oliver Trust

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