Sport : Vuelta: Sydney hat Vorfahrt

In Spanien hatte Sydney Vorfahrt. Sowohl im Zeitfahren als auch in den Bergen strampelte Vorjahressieger Jan Ullrich (Merdingen) der Spitze der 55. Spanien-Rundfahrt hinterher. Nach der zwölften Etappe zog der 26-jährige Telekom-Kapitän die "Notbremse", um seine Chancen auf Olympia-Gold im Einzelzeitfahren durch vermeintlich unnötige Kraftvergeudung nicht zu gefährden. "El Pais" nannte das "Desertation".

"Ich will in Sydney eine Medaille. Das Risiko, dass sich meine Form verschlechtert, wenn ich fast jeden Tag an mein Limit gehen muss, war mir zu groß. Auf der Etappe nach Andorra-Arcalis habe ich gemerkt, dass ich nicht wie sonst in hohe Pulsfrequenzen komme. Das ist ein Zeichen, dass ich nicht mehr so frisch bin. Es ist ein sehr schmaler Grat zwischen dem Halten und dem Verlieren der Form", sagte Ullrich.

Ullrich, der für das olympische Zeitfahren am 30. September als einer der Favoriten gilt, wird bis zum Abflug nach Sydney im heimischen Schwarzwald trainieren. "Ich freue mich auf Olympia. Leider werde ich nur die letzten Tage zwischen Straßenrennen und Zeitfahren im Olympischen Dorf wohnen. Vorher trainieren wir in Brisbane", sagte Ullrich, der sich mit dem Olympiakurs schon vertraut gemacht hat.

Trotz des sehnlichen Wunschs nach der Goldmedaille bei seinen ersten Spielen hätte für den Tour-de-France-Sieger von 1997 ein erneuter Erfolg in Frankreich Priorität. "Für einen zweiten Tour-Sieg würde ich die Goldmedaille hergeben", sagte Ullrich, der in dieser Saison bei der Coppa Agostini in Italien erst einen hochklassigen Sieg verbuchen konnte und dem großen Erfolg weiter hinterherfährt. Neben seinem diesjährigen Tour-Bezwinger Lance Armstrong (USA), dessen Olympia-Start wegen eines Halswirbelbruchs noch unklar ist, nannte Zeitfahr-Weltmeister Ullrich Vizeweltmeister Michael Andersson (Schweden) und Stunden-Weltrekordler Chris Boardman (England) als Hauptkonkurrenten für Sydney.

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