VW und VfL : Wolfsburg: Erst der Konzern, dann der Klub

Wie VW und VfL voneinander profitieren: Analyse eines wirtschaftlich gesteuerten Fußballprojekts.

Christian Otto[Wolfsburg]

Wolfsburg - Seine Meisterprämie dürfte dem Konzern im weitesten Sinne erhalten bleiben. Grafite hatte mit den Probefahrten im Continental GT Cabrio, dem ersten von Volkswagen entwickelten Bentley, schon eine Woche vor dem großen Finale in der Bundesliga begonnen. Und das Grinsen in seinem Gesicht verriet: schönes Auto, schönes Leben, schöner Verein. Grafite will das Auto gerne haben und beim VfL Wolfsburg bleiben. Dass ein lebenslustiger Brasilianer in der niedersächsischen Provinz ausharren möchte, liegt wohl auch an der Rundumversorgung des VW-Konzerns. Der Bentley ist mit 560 PS ausgerüstet.

Das Wolfsburger Fußballprojekt ist ein interessantes Zusammenspiel zweier Partner, welche die Berliner Brücke trennt. Westlich der Schnellstraße residiert der Geldgeber in der VW-Zentrale. „Es gibt ein klares Bekenntnis des Konzerns zum Fußball“, sagt Stephan Grühsem, der für die Kommunikation von VW verantwortlich ist. Damit das östlich der Berliner Brücke mit dem Fußballverein auch klappt, sitzt er im Aufsichtsrat der VfL Wolfsburg GmbH. Die 100-prozentige VW-Tochter hängt ganz am Tropf des Konzerns und darf mit schönen Siegen und als Meister nun sogar mit internationalen Schlagzeilen ihren PR-Beitrag zur Marke Volkswagen leisten.

Wenn es ernst wird oder besonders schön, zeigen sich auch die Entscheider. Martin Winterkorn, der seit 2007 auf dem Chefsessel des VW-Konzerns sitzt, sagt von sich, er sei ein leidenschaftlicher Fußballfan: „Aber das Sponsoring muss sich auszahlen.“ Winterkorn, der als Vorstandsvorsitzender von Bayern-Sponsor Audi sogar mal im Aufsichtsrat des Rekordmeisters gesessen hatte, war es, der sich für das volle Risiko mit Felix Magath als Alleinherrscher beim VfL entschied. VW spendierte dem Verein einen Mann mit Macht und der dafür nötigen Kompetenz. Und weil die Resultate stimmten, redeten sie ihm nicht hinein.

Wer Grafite und seine Mitspieler beim VfL Wolfsburg besucht, kommt an Volkswagen nicht vorbei. Vom Hauptbahnhof ist eine Fußgängerbrücke über den Mittellandkanal gespannt, die erst zur Autostadt und dann zur VW-Arena führt. Hier regiert Volkswagen. Hier entstehen die Triumphe. Dass der Doppelpass zwischen Wirtschaft und Sport den VfL nur zwölf Jahre nach seinem Bundesligaaufstieg bis in die Champions League stürmen ließ, verdient Anerkennung. Was gestern auf dem Rasen gefeiert wurde, soll bald auch in den Werkshallen wieder gelingen. Denn die Finanzkrise macht es dem Sportförderer VW schwer. Es ist kaum damit zu rechnen, dass immer neue Millionen für den VfL von der Belegschaft, den Aktionären und dem Betriebsrat bejubelt werden. Christian Otto

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben