Sport : Wackelig zum Debüt

Talent Dissinger spielt erstmals im DHB-Team.

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Berlin - Einen ungünstigeren Zeitpunkt hätte es kaum geben können. Christian Dissinger war gerade über seine Einladung zur Handball-Nationalmannschaft informiert worden, als es passierte. „Im Training ist mir ein Mitspieler von der Seite ins Knie gefallen“, sagt der 21-Jährige in Diensten des Schweizer Erstligisten Kadetten Schaffhausen, „und plötzlich waren die Erinnerungen wieder ganz präsent“. Die Erinnerungen an den Kreuzbandriss, der Deutschlands wohl größtes Handball-Talent fast ein Jahr lang außer Gefecht gesetzt hatte. Diesmal konnten die Ärzte aber schnell Entwarnung geben, Diagnose: leichte Schwellung. „Das Knie ist ein bisschen wackelig“, sagt Dissinger. Zumindest aber nicht so wackelig, dass der 2,02-Meter-Mann gestern in Wetzlar nicht spielen konnte. Beim Testspiel der deutschen Handballer gegen die Schweiz (36:22) absolvierte Dissinger, der Junioren-Weltmeister von 2011, der wertvollste Spieler jenes Turniers, endlich sein erstes A-Länderspiel.

Der Rückraumspieler steht exemplarisch für den Kader, den Bundestrainer Martin Heuberger mit Blick auf die EM-Qualifikationsspiele gegen Tschechien im April zu einem einwöchigen Lehrgang ins hessische Rotenburg eingeladen hat. Weil nicht nur Dissinger leichte Blessuren mit sich herumschleppt, die auf die hohe Belastung des Spielplans zurückzuführen sind. Vor allem aber, weil er für den Kurs steht, den Heuberger seit seinem Amtsantritt eingeschlagen hat. „Wir wollen diesen Lehrgang dazu nutzen, die Verjüngung der Mannschaft weiter voranzubringen“, sagt der Bundestrainer. Mit Patrick Wiencek, Kevin Schmidt, Kai Häfner, Steffen Fäth, Johannes Sellin und eben Dissinger haben mittlerweile sechs Spieler den Sprung in den Kader des Deutschen Handball-Bundes (DHB) geschafft, die Heuberger noch aus seiner Zeit als Junioren-Nationaltrainer kennt, mit denen er auch die Nachwuchs-Weltmeisterschaft gewann.

„Martin bleibt sich treu“, sagt Dissinger, „er baut konsequent junge Spieler ein, gibt uns eine Chance.“ Dieses Mantra führt zwar gelegentlich zu personell ungewohnten Konstellationen, insbesondere bei Testspielen. „Trotzdem profitieren wir jungen Spieler davon, weil die wenigsten von uns im Verein auf dem Niveau trainieren können, das wir bei der Nationalmannschaft vorfinden“, sagt Dissinger, „auch wenn es am Ende für den einen oder anderen vielleicht nicht reichen sollte. “

Heuberger wird sich jedenfalls kaum vorwerfen lassen können, es nicht versucht zu haben mit dem lange vernachlässigten Nachwuchs. Christoph Dach

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