Sport : Wacklige Premiere

Klinsmanns Bayern ziehen bei seinem ersten Pflichtspiel dank eines knappen 4:3-Erfolgs über Rot-Weiß Erfurt in die zweite Pokal-Runde ein

Claus Vetter[Erfurt]

Jürgen Klinsmann hatte es sich gemütlich gemacht. Auf der Ersatzbank des FC Bayern München zurückgelehnt sitzend wirkte der neue Trainer des Deutschen Fußballmeisters gestern Abend so entspannt, als sei er nur ins Steigerwaldstadion gekommen, um den schönen Sonnenuntergang in der Heimstätte des Rot-Weiß Erfurt zu genießen. Dabei hätte Klinsmann bei seiner Pflichtspielpremiere durchaus unruhig werden können. Denn der Außenseiter aus Thüringen ärgerte den Favoriten in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals kräftig, glich gleich dreimal einen Rückstand aus – es nützte den Erfurtern am Ende allerdings nichts. Sie verloren ihr Spiel des Jahres 3:4 (1:2), während Klinsmann mit seinen Bayern die erste lästige Pflichtaufgabe der neuen Saison erledigte und in die zweite Pokal-Runde einzog.

Klinsmanns energische Ausflüge an der Seitenlinie sind von der WM 2006 noch in bester Erinnerung, doch dieser Klinsmann ist anscheinend Vergangenheit. Gestern regte sich der Trainer während des Spiels kaum, seine Profis allerdings offenbarten anfangs ähnlich sparsamen Bewegungsdrang. Dabei schienen die das Geschehen trotzdem früh in die von ihnen gewünschten Bahnen lenken zu können. Nach einem genialen Pass von Toni Kroos war die unruhige Erfurter Viererkette überwunden und Philipp Lahm tanzte den Ball souverän ins Tor. Die Erfurter allerdings rannten nun recht wütend auf das Tor der Bayern, die sich immer mehr zurückzogen. Die Thüringer kamen zu guten Chancen und nutzten eine davon zum 1:1 durch Massimo Cannizzaro. Doch der Jubel unter den 22 500 Zuschauern war noch nicht verklungen, da lag der Ball bereits auf der anderen Seite des Spielfeldes im Tor: Lukas Podolski hatte zum 2:1 für die Bayern getroffen – da halfen alle Erfurter Proteste nichts. Miroslav Klose hatte wohl nur im passiven Abseits gestanden.

Es war eine eher schmeichelhafte Führung für die Bayern, die gestern allerdings ohne ihre Stars auskommen mussten. Franck Ribery, Martin Demichelis, Willi Sagnol, Tim Borowski, Luca Toni und Marcell Jansen fehlten verletzt und es fehlte den Bayern somit eine große Portion Spielkultur. Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit erzielte der eingewechselte Albert Bunjaku das verdiente Tor zum 2:2.

Schließlich gelang Klose im Nachschuss eine halbe Stunde vor Schluss das 3:2 für den Pokalsieger der vergangenen Saison. Aber das war es immer noch nicht für die Bayern: Erfurt schlug noch einmal zurück, glich zum dritten Mal aus. Bunjaku konnte Rensing noch einmal überwinden. 3:3 – es war fast unglaublich. Es sprach aber für Klinsmanns abwehrschwache Bayern, dass sie in der Schlussphase die Initiative übernahmen. Sie wurden mit dem entscheidenden Tor zum 4:3 belohnt, Kroos erzielte es mit einem fulminanten Distanzschuss.

Und als sich Jürgen Klinsmann dann nach dem Schlusspfiff endlich von der Auswechselbank erhob, hatten die Bayern zwar kein Bravourstück aufgeführt, aber mit einem Kraftakt die zweite Runde erreicht und eine DFB-Pokalrunde ohne große Überraschungen beendet: Alle 18 Bundesligisten haben die ersten Runde überstanden – das gab es seit zehn Jahren nicht mehr.

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