Sport : Wackliges Gebilde

Alba Berlins Basketballer sind zu leicht zu erschüttern

Benedikt Voigt

Berlin. Immerhin mussten die Basketballer von Alba Berlin nicht wie vor zwei Wochen eine nächtliche Bustour auf sich nehmen. Damals waren sie aus Wroclaw nach einer mehrstündigen Fahrt erst um vier Uhr nachts in Berlin eingetroffen. Diesmal kehrten sie nach einer Übernachtung im Hotel geruhsam am Sonntagmittag per Zug aus Bremen zurück. Die angenehmere Reiseform dürfte jedoch bereits das Positive an der Dienstreise gewesen sein.

„Unsere Verteidigung war nicht auf unserem Niveau“, sagt Trainer Emir Mutapcic, nachdem sein Team bei den EWE Baskets Oldenburg verloren hatte (81:87). Weil die Oldenburger Weser-Ems-Halle besetzt war, fand das Bundesligaspiel vor 4100 Zuschauern in der Stadthalle sieben in Bremen statt. Doch Alba Berlin konnte aus dem für den Gegner aus Oldenburg ungewohnten Terrain keinen Nutzen ziehen. „Wir haben in der ersten Halbzeit nicht zu unserer Intensität gefunden“, moniert der Trainer. Mit sechs Punkten lagen die Berliner nach 20 Minuten zurück.

In der zweiten Halbzeit kam Alba zwar besser ins Spiel und konnte sogar kurzzeitig in Führung gehen: 56:54. „Doch dann hat Oldenburg einen jungen Mann eingewechselt, Daniel Strauch“, berichtet Emir Mutapcic, „er hat im dritten Viertel neun Punkte gemacht – das war wichtig für Oldenburg.“ Alba näherte sich noch einmal in der Schlussphase auf fünf Punkte. Doch der eingewechselte Szymon Szewczyk setzte in der Schlussminute einen Dunking daneben und verpasste in der Verteidigung nach einem verfehlten Freiwurf einen wichtigen Offensivrebound. Prompt erhöhte Oldenburg auf sieben Punkte. „Da war das Glück auf Seiten der Oldenburger“, sagt der Trainer.

Es war die fünfte Niederlage in dieser Bundesligasaison. Zwar führt Alba immer noch die Tabelle an, doch die Telekom Baskets Bonn stehen nach Minuspunkten besser als der Deutsche Meister. Die Bonner bestreiten noch zwei Nachholspiele. Alba muss inzwischen ernsthaft um den ersten Platz in der Hauptrunde fürchten.

Was Emir Mutapcic nach der Niederlage in Oldenburg besonders ärgerte: „Unsere Body Language war nicht in Ordung.“ Soll heißen, dass sein Team nicht als selbstbewusster amtierender Deutscher Meister auftrat. Sondern als Gast, der sich vor einer Niederlage ängstigte. Als Ursache hat er das Spiel in Wroclaw ausgemacht. „Diese eine Niederlage hat uns aus dem Rhythmus gebracht.“ Im Dezember und Anfang Januar hatte Alba zahlreiche Spiele auf hohem Niveau geboten. „Dann kam die Enttäuschung in Wroclaw“, sagt Mutapcic. In jener Partie verlor Alba alle realistischen Chancen auf ein Weiterkommen in der Europaliga. „Das Spiel gegen Valencia war dann besonders enttäuschend – aber diese Enttäuschungen dürfen nicht weitergehen.“

Alba fiel zurück in Fehler, die vor drei Wochen noch überwunden schienen. Das Mannschaftsspiel stimmt nicht mehr, die Verteidigung wird vernachlässigt, in der Offensive spielt jeder für sich alleine. Der Trainer wundert sich darüber, dass sich sein Team so leicht aus dem Konzept bringen lässt. „Das darf einem Topteam nicht passieren“, sagt Mutapcic, „man muss auch mal eine Niederlage verkraften können.“

Bis zum Auswärtsspiel am Donnerstag in der Europaliga bei Tau Vitoria steht nun in erster Linie Verteidigung auf dem Programm: eins gegen eins, zwei gegen zwei. „Wir müssen in Tau versuchen, guten Basketball zu spielen“, sagt Mutapcic. Von einem Sieg redet er nicht. Am Wochenende pausieren die Berliner aufgrund des All-Star-Spiels in der Kölnarena. Eine Unterbrechung, die Alba etwas mehr Zeit gibt die jüngsten Niederlagen zu analysieren. Und die Spieler gesunden zu lassen.

Wegen Krankheit konnte Centerspieler Teoman Öztürk in Bremen nicht eingesetzt werden. Marko Pesic spielte zwar 20 Minuten, doch er traf lediglich einen Freiwurf. Seine übrigen drei Würfe verfehlten den Korb. „Er ist noch nicht fit“, sagt Mutapcic. Immer wichtiger wird für Alba auch die Rückkehr von Mithat Demirel, der zuletzt wieder einen Rückschlag in seinem Genesungsprozess verkraften musste. Chuck Evans, der ihn ersetzen soll, konnte in Oldenburg nicht mehr überzeugen.

Alba Berlin fehlt es in dieser Saison an Selbstbewusstsein und Stärke, um Rückschläge zu verkraften. Das Team scheint ein wackliges Gebilde zu sein, das sehr leicht zu erschüttern ist. Trainer Mutapcic erklärt: „Das kann man so sagen, wenn man in Oldenburg verliert.“

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