Sport : Wärme im Winter

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Daniel Pontzen über

die beginnende Nordische SkiWM

Es ist damals nicht jedem leicht gefallen, so etwas zu mögen. An Tagen, an denen der Winter die letzten Kräfte aus dem Körper nagte, musste man schon ein heißblütiger Liebhaber des Sports im Allgemeinen oder jener Disziplinen im Speziellen sein, um der Fernsehübertragung einer Nordischen Ski-WM mehr Sex-Appeal abzugewinnen als, sagen wir, dem Verkehrsgericht. Es gab Leute, die verbanden mit Veranstaltungen dieser Art vor allem Bilder von Schneesportlern, die erfolglos versuchen, sich den gefrierenden Speichel aus dem Gesicht zu wischen. Zum Wegzappen. So war es bis vor einigen Jahren.

Diese Zeiten sind vorbei, spätestens seit Salt Lake City vor einem Jahr. Die Nordische Ski-WM ist inzwischen ein Ereignis, ein Event. Eines, für das ARD und ZDF viel Geld ausgeben, um es zu übertragen. Und auch wenn das nicht als Beleg für große Unterhaltung taugt, werden die Jagdrennen und Skispringen wieder ein bisschen Wärme in den deutschen Winter bringen. Val di Fiemme, es könnte der erste Höhepunkt des Sportjahres werden, das bislang so unangenehm karg war. Weil es Andre Agassi gab und kroatische Handballer. Weil uns alle den Spaß verdorben haben – vor allem die Alpinen, die in St. Moritz die Vermutung nahe legten, dass Deutsche nur dann passable Chancen auf eine WM-Medaille hätten, wenn sie ein Startverbot für alle anderen Nationen erwirken könnten.

Wenn die deutschen Athleten in Italien also nun annähernd so eifrig Gold schürfen werden, wie man es nach den bisherigen Leistungen erwarten darf, dann wird das ein neuerliches Fest fürs Vaterland. Bühne frei für Evi Sachenbacher, für René Sommerfeldt, für Sven Hannawald. Vielleicht gibt es bald schon ein neues Kerpen, ein Leimen, zumindest eines für den Winter: Oberwiesenthal, Reit im Winkl. Man könnte sich dran gewöhnen.

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