Sport : Wahl ohne Wert

Das Nationale Olympische Komitee Indiens ernennt trotz IOC-Sperre einen vorbestraften Funktionär.

Neu Delhi/Lausanne - Das Nationale Olympische Komitee Indiens (IOA) bleibt stur und auf Konfrontationskurs zum IOC. Einen Tag nach der Suspendierung durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) wählte das IOA am Mittwoch in Neu Delhi einen neuen Generalsekretär. Damit brüskierte Indiens oberste Sport-Organisation das IOC, das die Wahl untersagt und bereits vorher für ungültig erklärt hatte.

Der Grund für die Sanktionen war laut IOC–Angaben die Einmischung der indischen Politik in die Belange des Komittees. Der Konflikt kam auf, weil der Kandidat gegen die IOC–Charta verstößt. Lalit Bhanot hatte wegen Korruptionsvorwürfen im Zusammenhang mit den Commonwealth-Spielen 2010 in Neu Delhi elf Monate im Gefängnis gesessen, außerdem war er als einziger Bewerber angetreten. Mangels anderer Bewerber galt Bhanots Wahl als sicher. Eine offizielle Verkündung eines Wahlergebnisses gab es zunächst nicht. Der amtierende IOA-Präsident Vijay Kumar Malhotra betonte zugleich, das IOA suche keinen Streit mit dem IOC. „Wir werden als erstes an das IOC herantreten, um die Situation zu erklären und auf eine Lösung dieser Angelegenheit hinzuarbeiten“, sagte er.

Malhotra begründete die Abstimmung damit, dass man juristischen Vorgaben habe folgen müssen. Der Oberste Gerichtshof in Neu Delhi hatte angeordnet, das IOA müsse die Wahlen, die ursprünglich schon für den 25. November angesetzt waren, gemäß Regierungsstatuten abhalten. „Wir können nicht gegen das Recht des Landes verstoßen“, sagte Malhotra und gab sich optimistisch: „Wir sind hoffnungsvoll, dass diese Suspendierung bald zurückgenommen wird.“ Die IOC-Exekutive hatte das IOA am Dienstag in Lausanne wegen massiver Einmischung der Politik in den Sport mit sofortiger Wirkung ausgeschlossen.

Die Konsequenzen für den Sport in dem 1,2 Milliarden Einwohner zählenden Land sind vielfältig: Zunächst werden die finanziellen Fördermittel mit sofortiger Wirkung eingestellt, außerdem sind Abgeordnete des IOA nicht mehr bei den Versammlungen des IOC zugelassen. Auch die Teilnahme an olympischen Veranstaltungen ist indischen Athleten nicht mehr gestattet. Die nächsten Olympischen Winterspiele werden im Februar 2014 im russischen Sochi stattfinden. Das IOA hat nun etwas mehr als ein Jahr Zeit, sich mit dem IOC zu einigen, um die Sperre rechtzeitig aufzuheben.

Viele indische Medien und Athleten begrüßten die Maßnahme des IOC als richtigen Schritt gegen die verbreitete Korruption in der Sportverwaltung. Die „Hindustan Times“ wertete das Urteil als Neuanfang und sprach von einem „goldenen Tag für den indischen Sport“. Die Regierung habe nach den von massiver Korruption überschatteten Commonwealth-Spielen die Chance versäumt, aufzuräumen. „Hätte sie damals gehandelt, wären wir jetzt nicht international so geohrfeigt worden“, schreibt die Zeitung weiter. Der Sportschütze und Goldmedaillengewinner von 2008, Abhinav Bindra, twitterte: „Tschüss, IOA, ich hoffe, ich sehe Dich bald wieder, hoffentlich sauberer.“ dpa

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