Wahl zum Fifa-Präsidenten : Sepp Blatter: Mehr Gegenkandidaten als Gegenstimmen

Joseph Blatter hat bereits vier Kontrahenten bei der Wahl zum neuen Fifa-Präsidenten - und ist trotzdem konkurrenzlos. Ein Kommentar.

von
Muss sich kaum den Kopf zerbrechen: Fifa-Präsident Sepp Blatter
Muss sich kaum den Kopf zerbrechen: Fifa-Präsident Sepp BlatterFoto: Imago

Es soll ja Menschen geben, die Joseph Blatter inzwischen für einen leicht verwirrten Greis halten. Man tut ihm damit vermutlich ein schreckliches Unrecht an. Blatter, fast 79 Jahre alt, hat durchaus lichte Momente und vermag auch komplizierte Sachverhalte klar zu erfassen. Dieser Tage zum Beispiel hat der Chef der Fifa über die Umtriebe im Weltfußball gesagt: „Sie wollen mich loswerden.“ Richtig beobachtet! Das alte Europa, das aufgeklärte Fußballvolk hat genug vom ewigen Sepp, vom jovialen Weltverbesserer und dem von ihm gestützten System der Vetternwirtschaft.

„Der Gedanke an eine weitere Amtszeit Blatters macht mich krank“, hat Mino Raiola, der Berater von Zlatan Ibrahimovic, vorige Woche gesagt – und gleich seine Kandidatur für die Fifa-Präsidentenwahl angekündigt. Wenn das so weitergeht, hat Blatter im Mai mehr Gegenkandidaten, als er Gegenstimmen bekommt. Vier offizielle Bewerber gibt es inzwischen, Prinz Ali, Jérôme Champagne, David Ginola und Michael van Praag, dazu möglicherweise Raiola und Harold Mayne-Nicholls.

Je mehr Gegenkandidaten für Fifa-Präsident Sepp Blatter, desto besser

Sepp Blatter kann das alles als lachhaft abtun und über seine Konkurrenten spotten – weil er längst weiß, dass kein einziger seine Ambitionen ernsthaft gefährden kann. Seine Wiederwahl folgt der Logik des Systems Fifa, in dem es nicht um Transparanz und Demokratie geht, sondern in letzter Konsequenz um den Zugang zu Macht und damit Geld. Das heißt trotzdem nicht, dass die Gegenkandidaturen sinnlos sind. Im Gegenteil. Je mehr Gegenkandidaten, desto besser. Sie sind vor allem als Ausdruck des Protests gegen Blatter und seine Amtsführung bei der Fifa zu verstehen. Eine andere Form – aus dem System heraus – gibt es vorerst leider nicht.

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben