Wahlbetrug : Zu dreist gefälscht

Präsident Calderón tritt bei Real Madrid zurück.

Julia Macher[Barcelona]
Ramón Calderón
Ramón Calderón wurde bei den "Königlichen" vom Thron gestoßen. -Foto: dpa

Barcelona - Am Ende sah Rechtsanwalt Ramón Calderón doch ein, dass Festhalten am Posten nicht unbedingt ein Unschuldsbeweis ist. Am Freitagmittag gab der in den letzten Wochen heftig in die Kritik geratene Präsident von Real Madrid seinen Rücktritt bekannt. Damit verschleißt der spanische Rekordmeister seinen vierten Präsidenten in drei Jahren. Die Vereinsgeschäfte wird bis zu den vorgezogenen Neuwahlen im Juli der Geschäftsmann Vicente Boluda übernehmen.

„Ich gehe erhobenen Hauptes und habe ein ruhiges Gewissen“ sagte Calderón und dankte unter Tränen seiner Familie. Er habe nichts zu verbergen und denke nicht an Rücktritt, hatte der 57-jährige Calderón noch am Mittwoch behauptet. Daraufhin holte die Sportzeitung Marca, die zuletzt kräftig an seinem Stuhl gerüttelt hatte, zum entscheidenden Schlag aus und veröffentlichte Fotos, die heftige Zweifel an seiner Unschuld aufkommen ließen. Calderón war vorgeworfen worden, bei der Generalversammlung des Klubs im Dezember, bei der es um das Budget ging, nicht wahlberechtigte Personen eingeschleust und so das Abstimmungsergebnis manipuliert zu haben. Calderón hatte die Vorwürfe bestritten. Doch die Bilder, die Spaniens auflagenstärkste Zeitung druckte, zeigten seine Familienmitglieder feiernd mit den „falschen Delegierten“. Calderón blieb nichts anderes übrig, als ein wenig rühmliches Kapitel in der Geschichte des laut Eigenaussage „größten Klubs der Welt“ zu beenden.

Schon bei seinem Antritt im Juli 2006 ging es nicht ganz mit rechten Dingen zu; per Briefwahl abgegebene Stimmzettel waren nachträglich für ungültig erklärt worden. Und als habe er selbst nicht an seine Wahl glauben können, veranstaltete Ramón Calderón in den Folgejahren eine Art Dauerwahlkampf in eigener Sache. Er versprach Superstars wie Kaká, Cristiano Ronaldo, Cesc Fabregas und Arjen Robben, von denen allein Letzterer kam. Den von ihm zum „Retter der königlichen Tugenden“ gekürten Trainer Bernd Schuster entließ er nach anderthalb Jahren wieder. Vor der Winterpause prahlte er mit zwei großartigen geplanten Neuzugängen, die Real in der Champions League beflügeln würden. Es kamen Lassana Diarra und Klaas-Jan Huntelaar. Da beide bereits für ihre vorherigen Klubs im Uefa-Pokal zum Einsatz gekommen sind, kann der Klub laut Reglement nur einen für die Champions League anmelden. Ein Fauxpas, der dem Verein Häme und Spott einbrachte.

Nachfolger Bolenta wird sich zuerst damit auseinender setzen müssen, dass Mitglieder die Versammlung aus dem Dezember anfechten wollen. Julia Macher

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