Sport : Wahre Champions

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Zum ersten Mal Weltmeister, da darf man nach dem Abpfiff durchaus jubelnd auf den Platz laufen. Doch Spaniens Trainer Vicente del Bosque gab schon ein paar Minuten nach dem Abpfiff des WM-Endspiels ein Interview, gefasst und sanft lächelnd. Auf dem Feld hatte Andres Iniesta kurz vor Schluss der Verlängerung das entscheidende Tor geschossen, er sank zu Boden, als es vorbei war. Üblicherweise hätten sich jetzt die anderen 22 Spieler des Kaders auf den Helden geworfen – niemand aber kam. Spaniens Spieler rannten zu ihrem Torwart Iker Casillas, wie schon nach den Siegen gegen Paraguay und gegen Deutschland. Umgerissen wurde auch Casillas nicht, seine Mitspieler nahmen ihn in den Arm. Eine Mannschaft ist, wer auch im Moment des Siegtors daran denkt, dass ihr Torwart eine Stunde zuvor das Gegentor verhindert hat. Dieser vergleichsweise gesittete Jubel sagt viel darüber aus, wie die spanische Nationalmannschaft Fußball versteht. Wie wahre Champions.

Sie hat Respekt vor dem Gegner, selbst wenn der sich nur mit voetbal brutaal zu wehren weiß. Sie hat Respekt vor dem Ball. Sie liebt ihn, anders wäre dieser Fußball nicht denkbar. Sie hat Respekt vor dem Spiel, sonst könnte sie ihren Plan nicht mit dieser Leidenschaft umsetzen. Und sie hat diesen Plan, einen von offensivem und schönem Fußball.

Einige fanden den ewigen Ballbesitz langweilig, 1:0, 1:0, 1:0 und 1:0 haben die Spanier ihre letzten vier Spiele bei dieser Weltmeisterschaft gewonnen. Ihre Schuld ist das nur insofern, als es nicht ihr höchstes Ziel ist, die Dominanz klarer in Toren auszudrücken. Aber dann wäre ihr Spiel nicht mehr ihr Spiel. Beschweren sollte man sich bei denen, die sich hinten reinstellen, weil sie nicht mithalten können. Es ist gut für den Fußball, dass sie damit nicht durchgekommen sind.

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