Sport : Wandel durch Handel Wolfsburg will mit sechs neuen Spielern nach oben

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Zwei Sprachen, sagt Patrick Helmes, müssten vorerst reichen. Er meint das Englisch und sein Kölsch. „Wir werden uns schon verstehen. Und wenn es mit Händen und Füßen ist“, sagt der Kölner, der von Leverkusen nach Wolfsburg gewechselt ist. Der prominenteste Neuzugang des VfL Wolfsburg verstärkt seit gestern eine runderneuerte Mannschaft, in der eine nicht zu unterschätzende Integrationsarbeit zu leisten ist. Sechs Nationalspieler aus sechs verschiedenen Ländern sind nachverpflichtet worden. Auf VfL-Trainer Steve McClaren, der angesichts der sportlichen Misere der Niedersachsen nach neuem Personal verlangt hat, wartet ein echte Herausforderung. Vor ein paar Wochen noch hieß es in Wolfsburg, welch großen Wert man darauf lege, dass in der Kabine Deutsch gesprochen werde. Helmes wird sich darüber mit dem Türken Tuncay Sanli, dem Tschechen Jan Polak, dem Kongolesen Dieudonné Mbokani, dem Südkoreaner Koo Ja-Cheoul und dem Venezolaner Yohandry Orozco in den nächsten Tagen intensiv austauschen können.

Wenn es nach Dieter Hoeneß geht, hat der finanzkräftige VfL Wolfsburg mit seiner Einkaufstour zum Ende der winterlichen Transferperiode nichts Verrücktes angestellt. „Wir haben sowohl eine strategische als auch eine kurzfristige Ausrichtung verfolgt“, versichert der Vorsitzende der Wolfsburger Geschäftsführung. Der Versuch, den aus dem Rekordtransfer von Edin Dzeko (für 35 Millionen Euro zu Manchester City) erzielten Erlös zu reinvestieren, sorgte für eine erstaunliche Nachbesserung am Kader. „Wir fangen von vorne an. Nach unten soll es nicht mehr gehen“, sagte Helmes gestern bei seiner Vorstellung. Der Stürmer und Nationalspieler, der bei Bayer Leverkusen nicht mehr wie gewünscht zum Zug gekommen war, hielt das grün-weiße Trikot mit der Nummer 33 in die Höhe. Von einem Werksklub der Fußball-Bundesliga zum nächsten gewechselt zu sein, bereitet dem 26-Jährigen keine Probleme. „Hier stimmt alles drum herum. Da weiß man, was man hat“, sagte Helmes, der einen Dreijahresvertrag erhält und fünf Millionen Euro Ablöse gekostet hat.

Die Verpflichtung von Helmes soll nach dem Abgang von Dzeko ein Problem in der Wolfsburger Offensive beheben, das nicht zu unterschätzen ist. Ohne den Bosnier war das Spiel im Sturm zuletzt zu stark auf den Brasilianer Grafite zugeschnitten. Mit Helmes und dem offensivstarken Tuncay Sanli bieten sich Trainer McClaren nun zwei echte Alternativen. „Unsere neuen Spieler werden den Konkurrenzkampf auf jeder Position schüren“, meint der Brite, der erheblich unter Druck geraten ist. Die Wolfsburger haben sich wegen ihrer sportlichen Misere gefährlich nahe an jenen Teil der Tabelle begeben, der Anlass zu existenzieller Sorge gibt.

Das Projekt VfL Wolfsburg, von dem die Verantwortlichen und Geldgeber am Mittellandkanal gerne reden, geht mit den jüngsten Spielereinkäufen in eine entscheidende Phase. Dem erfolglosen McClaren sind die letzten Ausreden genommen worden. Auch VfL-Boss Hoeneß wird in den nächsten Wochen daran gemessen, wie seine jüngsten Nachbesserungen an der eigenen Personalpolitik greifen. Rund 16 Millionen Euro auf einen Schlag zu reinvestieren – das können sich nur wenige Vereine der Bundesliga leisten. „Ich hoffe, es geht hier jetzt rund“, sagt und denkt nicht nur Patrick Helmes.

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