Sport : Wanderzirkus auf dem Eis

Claus Vetter

über die neuen Stars der Deutschen Eishockey-Liga Die Berliner Eisbären hatten sich auf ein gemütliches Auswärtsspiel am Sonntag in Ingolstadt gefreut. Denn sie galten als Favorit. Bis gestern. Doch plötzlich ist der Vorjahreszweite der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nur noch Außenseiter. Denn der bayrische Provinzklub hat inzwischen ein paar neue Stürmer verpflichtet: Marco Sturm und Andy McDonald, zwei Torjäger aus der nordamerikanischen Profiliga NHL. Spieler dieser Klasse haben die Eisbären nicht zu bieten. Der Deutsche aus San Jose und der Kanadier aus Anaheim sind in den USA umjubelte Eishockey-Stars. Nun startet die NHL-Saison nicht, weil Klubbesitzer und Spielergewerkschaft sich ums Geld streiten. Deshalb ist seit Donnerstag in der DEL, die heute in die Saison startet, Hektik ausgebrochen: Meldungen über Transfers von NHL-Spielern häufen sich, Stars aus Nordamerika bieten sich zum Schnäppchenpreis an. Und deutsche Klubs greifen zu.

Doch will ein Marco Sturm für drei Punkte des ERC Ingolstadt seine Gesundheit und die Aussicht auf einen neuen Vertrag in der NHL riskieren? Und wo beginnt die DEL, zu einem Wanderzirkus zu verkommen? Das branchenübliche Spekulieren über die Anwärter auf den Titel ist seit gestern jedenfalls nur noch eine Absurdität. Wer weiß, wer da noch so alles aus Amerika kommt? Und was passiert eigentlich, wenn in der NHL wieder gespielt wird und die Stars mitten in der DEL-Saison – was vertraglich möglich wäre – verschwinden? Dann könnte Ingolstadt vom ersten Tabellenplatz stürzen. Und die Eisbären würden wieder als Favorit nach Ingolstadt reisen.

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