Sport : Wanken im Sturm

Bayern besiegt Stuttgart durch ein Tor von Makaay mit 1:0 – anschließend entdeckt Oliver Kahn sein poetisches Talent

Daniel Pontzen

München. Die Bommel zappelte wild durch die Luft, erst nach einer halben Minute kam sie allmählich zur Ruhe, in harmonischem Einklang mit dem Mann, den sie schmückte. Uli Hoeneß zählte ganz augenscheinlich zu den glücklichsten Menschen in diesem Moment. Auf dem Kopf trug der Manager des FC Bayern München eine rot- weiß gestreifte Bommelmütze. Hoeneß drückte Trainer Ottmar Hitzfeld so heftig, dass man sich um dessen Gesundheit oder zumindest den Sitz seines Mantels ernsthaft hätte sorgen können. Alles war egal in diesem Moment, in dem sich wie auf wundersame Weise alles zugunsten der Bayern drehte an diesem Nachmittag. Roy Makaay hatte soeben das Tor des Tages geschossen zum 1:0 der Bayern über den VfB Stuttgart, das den Rückstand der Bayern auf den entthronten Tabellenführer auf drei Punkte halbiert hat.

„Es war ein glücklicher Sieg“, gab Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zu, und er schaute dabei, als gäbe es auf der Welt nichts Schöneres als glückliche Siege. Die Bayern sind kurz vor Weihnachten in die gewünschte Spur zurückgekehrt; der VfB musste sich mit der ersten Saison-Niederlage abfinden, dem ersten Null-Punkte-Erlebnis seit dem 17. Mai – damals ebenfalls in München gegen die Bayern.

Dabei zeigten die Stuttgarter über weite Strecken das konstruktivere Spiel, vor allem zu Beginn, als sie zu einigen Chancen kamen, während die Bayern kaum mehr zu Wege brachten als einige harmlose Distanzschüsse. „Man darf nicht vergessen, dass wir unter einem ganz anderen Druck als Stuttgart stehen, und dieser Druck hat uns nicht gerade Beine gemacht“, erklärte Hoeneß die Münchner Verlegenheit.

  „Wir hatten das Spiel im Griff, wir haben nur die Chancen nicht genutzt“, monierte Stuttgarts Trainer Felix Magath – weder Kevin Kuranyis Kopfball (8. Minute) noch Alexander Hlebs Slalomlauf durch Bayerns Defensive brachten die Stuttgarter in Führung. Owen Hargreaves’ ungenutzte Hereingabe (33.) war das einzig gefährliche Produkt der Münchner Offensivbemühungen. „Nach vorne war das natürlich zu wenig“, hatte Hitzfeld zur Halbzeit registriert, „deswegen habe ich auf unser 4-3-3-System umgestellt, was uns dann auch behagte.“

Zu Beginn der zweiten Hälfte steigerte jedoch zunächst Stuttgart die eigene Überlegenheit, Magath „hatte das Gefühl, dass ein Tor in der Luft liegt – aber nicht auf der Seite, auf der es dann gefallen ist“. Nachdem Imre Szabics einen Alleingang nicht erfolgreich hatte abschließen können und Kuranyi bei zwei Kopfbällen an Oliver Kahn gescheitert war, waren die Bayern am Zug: Zunächst zwang Claudio Pizarro Timo Hildebrand mit einem Volleyschuss aus 15 Metern zu einer Glanzparade, drei Minuten später war der Stuttgarter Torwart chancenlos. Fernando Meira hatte einen langen Abschlag Kahns verfehlt, Makaay nahm den Ball auf, machte ein paar schnelle Schritte, hob den Blick und vollstreckte zentimetergenau. „Er ist ein Mann, der aus null Chancen das Tor macht“, sagte Hoeneß und stellte damit eine arithmetisch verwegene These auf, nachdem die Münchner wie schon drei Tage zuvor von der verlässlichen Kaltblütigkeit ihres Holländers profitiert hatten. Die hektische Stuttgarter Schlussoffensive stellte die Münchner dann vor keine größeren Probleme mehr.    

Beschwingt lieferte Oliver Kahn den letzten nennenswerten Beitrag des Nachmittags, er überraschte mit seinem bislang ungeförderten poetischen Talent. „Die Mannschaft wankt, sie wankt immer mehr, wie ein Turm im Sturm, aber sie fällt nicht“, reimte der Torwart. Nicht überliefert ist, ob Kahn diesen Beitrag bei der abendlichen Weihnachtsfeier wiederholt hat. Es hätte sicher einen Sonderapplaus gegeben.

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