Sport : Wann guckst du?

Die Bundesliga sucht neue Übertragungszeiten – der Samstagmittag ist unbeliebt, der Freitagabend nicht

Frank Bachner

Fußball zur Mittagszeit? Damit auch in Asien die Spiele der Bundesliga live gesehen werden können? Das hat Werner Hackmann vorgeschlagen. Mit seinen Äußerungen hat der Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL) bei Vereinen und Fans große Skepsis hervorgerufen. Aus der Luft gegriffen war sein Vorschlag jedoch nicht. Denn weil der Rechtevermarkter Infront aussteigt, sucht der deutsche Fußball nach neuen Geldquellen. Das Motto heißt: Zeit ist Geld, neue Übertragungszeiträume bedeuten größere Einnahmen von den Fernsehsendern. So bietet der Pay-TV-Sender Premiere an, der DFL mehr zu bezahlen, wenn zum Beispiel wieder Spiele am Freitagabend stattfinden. Die DFL steht vor entscheidenden Wochen. Dabei muss sie immer abwägen – zwischen Geld und Traditionen.

, Christopher Buhl und Friedhard Teuffel

Wie ist die Ausgangslage?

Bei der Suche nach neuen Übertragungszeiten hat die Deutsche Fußball-Liga nur beschränkte Freiheiten. Denn die ARD hat einen Vertrag geschlossen, der ihr bis 2006 sieben Spiele am Samstag garantiert. Dafür bezahlt die ARD pro Saison 68 Millionen Euro. Dagegen läuft der Vertrag mit dem Deutschen Sport-Fernsehen (DSF) nach dieser Saison aus. Das DSF bezahlt zwölf Millionen Euro, um am Sonntag zwei Bundesligaspiele zusammenfassen zu dürfen. Der größte Teil der Fernsehgelder kommt vom Pay-TV-Sender Premiere, der sich die Rechte pro Saison 150 Millionen Euro kosten lässt. Für sämtliche Rechte an der Bundesliga, Mobilfunk und Internet eingeschlossen, hatte die Agentur Infront 280 Millionen Euro überwiesen.

Kommen Spiele zur Mittagszeit?

Dem Vorbild England nacheifernd, haben die deutschen Fußballvermarkter Asien als gelobten Kontinent für den Absatz von Fußballfernsehen ausgemacht. Um Zuschauern in China und Japan die Bundesliga live präsentieren zu können, hat DFL-Präsident Werner Hackmann daher vorgeschlagen, ein Bundesligaspiel am Samstag auf die Mittagszeit vorzuverlegen, auf 12.30 Uhr etwa. In dieser Saison spielt die Bundesliga im Ausland nur 15 Millionen Euro an Fernsehgeldern ein, die Engländer bringen es mit ihrer Premier League auf viel mehr (siehe Artikel rechts).

Kehren die Freitagsspiele zurück?

Spiele am Freitagabend unter Flutlicht finden nicht nur die Fans charmant, der Freitag könnte auch ein gutes Geschäft fürs Fernsehen sein. Georg Kofler, der Geschäftsführer von Premiere, hat vorgeschlagen, die beiden Bundesligaspiele des Sonntags auf Freitagabend zu verlegen. Den Freitag würde Kofler gerne so sehen: Von 19 Uhr an wird die Zweite Liga live übertragen, von 20.45 Uhr an die Erste. Die Bedingungen für Freitagspiele werden auch durch eine Reform des euröpäischen Fußball-Verbandes Uefa günstiger. Denn der plant, den Donnerstag als Spieltag für den Uefa-Pokal abzuschaffen.

Was sagen die Fans?

Vor wenigen Jahren ist den Fans die Bundesliga zu unübersichtlich geworden. Sie protestierten gegen die Zerstückelung des Spieltags in vier Teile: Freitagabend, Samstagnachmittag, Samstagabend und Sonntagabend. Es bildete sich die Initiative „Pro 15.30“. Eine andere Initiative ist „Pro Fans“. Ihr Vertreter Thomas Weinmann wehrt sich gegen den Samstagmittag. Der Vorschlag sei „ein Scherz“. Asien als Absatzmarkt ist für Weinmann kein Argument: „Irgendwo hört’s auf, man kann sich doch nicht total verkaufen.“ Seine Initiative will den Freitag als Spieltermin zurückhaben.

Wie denken die Vereine?

Unterstützung hat Hackmann für die Idee vom Mittagsfußball wenig bekommen, aber dafür jede Menge Kritik. „Samstag 15.30 Uhr – das ist unantastbar. Das ist Gesetz“, sagte Rudi Assauer, Manager von Schalke 04. Uli Hoeneß, sein Kollege vom FC Bayern München, schätzt die Absatzchancen auf dem asiatischen Markt als gering ein. Zum einen habe die Bundesliga nicht die asiatischen Spieler wie England, zum anderen habe sie ein Imageproblem. Bernd Schiphorst, der Präsident von Hertha BSC, sagt: „Man sollte nicht ohne Not einen total eingeübten Sendeplatz antasten.“ Ihm fehle die Stimmung der Freitagabendspiele, beispielsweise der Ruhrgebiets-Klassiker. Dagegen birgt der Mittagstermin ein Risiko: „Es kann nichts Schlimmeres geben als ein leeres Stadion“, sagte Schiphorst. Auch Peter Pander, der Manager des VfL Wolfsburg, hält wenig vom Mittagsfußball. Allerdings findet er, dass das Ganze zu hoch gespielt wird. „Da reden zu viele Leute mit, die keine Ahnung haben.“ Zum Beispiel über die Bedeutung des asiatischen Markts. „Sie werden doch nicht glauben, dass wir viele Trikots verkaufen, wenn wir in Peking einen Shop eröffnen. Trikots stellen die Chinesen besser und billiger her.“ Entscheidend seien allein die Fernsehrechte. „Da gibt es für die Vereine viele Möglichkeiten.“ Kein Klub müsse um 12.30 Uhr antreten. „Ich habe noch nie gehört, dass Arsenal London oder Manchester United um 12.30 Uhr angetreten sind, nur weil da Chinesen zuschauen.“ Generell sei für den Wolfsburger Hauptsponsor Volkswagen der asiatische Markt jedoch sehr bedeutsam. „Aber da muss man erst einmal abwarten, was in den Verhandlungen passiert.“ Zum Beispiel, ob es zu einer Eigenvermarktung der Vereine komme.

Was will das Fernsehen?

Premiere passt der Spieltermin am Samstagmittag nicht in die Planung. „Wir haben der DFL unsere Wünsche vorgelegt, und die besagen, dass wir die bisherigen Regelungen am Samstag beibehalten wollen“, sagt Dietrich Wöstehoff, der Premiere-Sprecher für Sport. Dafür hat Premiere den Wunsch, den Freitagabend zurückzuholen und ist dafür bereit, zehn Millionen Euro pro Saison mehr zu bezahlen. „Wir hätten gerne, dass die bisherigen Sonntagsspiele auf Freitag verlegt werden“, sagt Wöstehoff. Die Aufzeichnung dieser Spiele im frei empfangbaren Fernsehen liefe dann gegen 23 Uhr. Und viele Fußballfans, so die Hoffnung von Premiere, werden nicht bis spät am Abend warten wollen – und abonnieren deshalb Premiere. Gegen den Samstagmittag bilden die Sender eine Interessengemeinschaft. Gerade die ARD sieht die eigenen Rechte verletzt. Für sie würden die Mittagsspiele den geschlossenen Vertrag abwerten. Das DSF hängt am Sonntag. „Wir sind mit unserer Quote sehr zufrieden“, sagte Sendersprecher Jörg Krause.

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