Wann wechselt Schalkes Torwart? : Die Entscheidung liegt nicht bei Neuer

Manuel Neuer soll in dieser Woche erfahren, ob er zu Bayern darf. Für die Schalke-Fans scheint der Wechsel schon klar. Beim Autokorso gibt es gar eine Ohrfeige für den Torwart. Dabei ist ein Verbleib von Neuer bis 2012 so abwegig nicht.

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Ex-Schalker mit Pokal: Manuel Neuer könnte am Samstag letztmals für Schalke gespielt haben.
Ex-Schalker mit Pokal: Manuel Neuer könnte am Samstag letztmals für Schalke gespielt haben.Foto: dpa

An einem Abend, an dem die großen Fragen sehr früh und sehr eindeutig beantwortet waren, galt es nur noch ein paar Kleinigkeiten am Rande zu klären. Zum Beispiel die, woran der Einsatz von Mathias Schober letztlich gescheitert war. Der 35-Jährige ist Ersatztorhüter beim FC Schalke 04, und im Fernsehen war er bei einer Geste zu beobachten, die eindeutig schien. Schober wedelte wie wild mit seinem Zeigefinger, was auf eine klare Abneigung gegen eine Einwechslung schließen ließ. Offenbar aber handelte es sich um eine Fehlinterpretation. „Zehn Minuten auf dem Platz wären noch mal schön gewesen“, sagte Schober. „Das wäre einfach eine Geste gewesen.“ Auch Ralf Rangnick, sein Trainer, habe kurz mit diesem Gedanken gespielt, sich dann aber umentschieden. „Es war ja ein knappes Ergebnis, da musste der Trainer taktisch noch was machen.“ Schalke führte 5:0 gegen den MSV Duisburg.

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Eine Viertelstunde vor Schluss hatten sich die Schalker Fans zu einem imposanten Chor zusammengefunden. „Wir woll’n den Schobi seh’n“, sangen sie, und man konnte ihr Lied auf zwei Arten verstehen: als Anerkennung für den Ur-Schalker Schober, nach 14 Jahren im Verein „ein Urgestein“, wie er sich selbst nannte; oder als Missfallensbekundung gegen Manuel Neuer, einen anderen Ur-Schalker, der aber wohl bald Ex-Schalker sein wird und deshalb bei Teilen des Anhangs erheblich an Zuneigung eingebüßt hat.

„Er hat gut gehalten“, sagte Sportdirektor Horst Heldt. „Es gab keinen Grund, ihn auszuwechseln.“ Ganz so einfach war es natürlich nicht. Die Schalker fürchteten vor allem atmosphärische Störungen: Was, wenn es bei einem Wechsel deutlich vernehmbare Pfiffe gegen den Kapitän Neuer gegeben hätte? Dieses Risiko wollte niemand eingehen. Auch Neuer ließ Vorsicht walten. Als jeder Spieler weit nach der Siegerehrung einzeln mit dem Pokal vor der königsblauen Kurve tanzte, erbat sich der Torhüter Geleitschutz von Schalkes neuem Fanliebling Raúl. Der saß auch am nächsten Tag beim Autokorso durch Gelsenkirchen neben ihm, als plötzlich ein Fan aus dem Gewühl heraus sprang und Neuer eine Ohrfeige verpasste (siehe Video). Der Torhüter nahm den Zwischenfall gelassen zur Kenntnis und feierte weiter.

Rangnick erklärte, er habe aus Respekt vor dem Gegner auf einen Wechsel im Tor verzichtet, „zum anderen hätte es so ausgesehen, als wenn wir Manuel verabschieden wollten. Das ist nicht der Fall.“ Die Schalker versuchten mit Macht den Eindruck zu widerlegen, dass der Wechsel ihres Torhüters zu den Bayern längst besiegelt sei und nur noch der richtige Zeitpunkt für die Verkündung dieser Nachricht abgepasst werden müsse.

Es war schon vorher klar, dass dies nicht an diesem Abend passieren würde, an dem die Schalker nur eines im Sinn hatten: das versöhnliche Ende einer komplizierten Saison zu feiern. Doch wenn man die Entscheider der Gelsenkirchener beim Wort nimmt, scheint inzwischen gar nichts mehr klar zu sein. Neuers Vertrag laufe noch ein Jahr, sagte Rangnick, „deshalb gehe ich davon aus, dass er nächste Saison auch noch bei uns spielt“. Und Clemens Tönnies, der Aufsichtsratsvorsitzende des Vereins, legte eine Art Veto gegen den Wechsel des Torhüters nach München ein: „Ich bin strikt dagegen, dass Manuel geht.“

Normalerweise würde man solche Aussagen für taktische Winkelzüge halten, die allein dem Zweck dienen, den Kaufpreis noch ein bisschen in die Höhe zu wuchten. Aber es geht den Schalkern wohl tatsächlich um eine grundsätzliche Abwägung: Nehmen wir das Geld – 18 Millionen Euro plus x –, oder haben wir mehr davon, Neuer zum Bleiben zu verpflichten, auch wenn wir ihn den Bayern dann in einem Jahr ablösefrei überlassen müssen? Horst Heldt sprach von zwei guten und vertrauensvollen Gesprächen, die er mit den Münchnern geführt habe. „Das Angebot liegt vor“, sagte er. „Es gibt nichts mehr nachzuverhandeln.“ Es gilt nur noch herauszufinden, was Schalke eigentlich selbst will. In dieser Woche soll der Aufsichtsrat zu einer Sondersitzung zusammenkommen und die Angelegenheit abschließend erörtern.

Die Entscheidung liegt nicht bei den Bayern, sie liegt auch nicht bei Neuer, sie liegt allein beim FC Schalke. „Ich kann dazu nichts sagen“, bekannte Neuer. „Ich muss auf das hören, was die Verantwortlichen sagen.“ Sollte der Klub auf Einhaltung der vertraglichen Pflichten bestehen, wäre das „kein Problem“ für Neuer. „Ich habe nie gesagt, dass ich im Sommer weg will.“ Aber wehren würde er sich dagegen auch nicht.

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