Sport : Warten auf den Gegner

Die Eisbären möchten im Finale lieber gegen Düsseldorf als gegen Köln spielen

Mathias Klappenbach

Berlin - Die Frage nach dem Lieblingsgegner wollte keiner beantworten, zumindest nicht direkt. „Hoffentlich spielen wir schon am Sonntag“, sagte Steve Walker nach dem 5:3 des EHC Eisbären gegen die Hannover Scorpions, mit dem die Berliner zum dritten Mal hintereinander in die Finalserie um die deutsche Eishockey-Meisterschaft eingezogen sind. Die 5000 Fans feierten ihr in diesem Jahr stark verjüngtes Team am Dienstagabend dafür schon während des gesamten Spiels gebührend. Dennoch scheint der erneute Finaleinzug des Deutschen Meisters schon so etwas wie eine Selbstverständlichkeit zu sein, besondere Freude war den Spielern und dem Trainer Pierre Pagé jedenfalls nicht anzumerken. Die Konzentration auf die Endspiele und die Vorbereitung darauf stand schon kurz nach dem Sieg gegen Hannover im Vordergrund.

Der wichtigste Unterschied zwischen den möglichen Finalgegnern Düsseldorf oder Köln besteht nicht nur für Kapitän Walker darin, zu welchem Zeitpunkt es zum ersten Aufeinandertreffen kommt. Deshalb wären den Eisbären die Düsseldorfer lieber, weil sie bereits heute gegen Köln ins Finale einziehen können, das dann am Sonntag mit dem ersten Spiel in Berlin beginnen würde. Käme es nach einem Sieg der Kölner im vierten Spiel noch zu einem fünften Halbfinal-Duell am Sonntag, würde die Finalserie erst am kommenden Donnerstag starten. „Es war schon vor den drei Spielen gegen Hannover ein Vorteil für uns, dass wir ein paar Tage mehr frei hatten“, sagte Pierre Pagé. Wenn es erst in einer Woche losgehen würde, hätte auch der Gegner eine längere Regenerationspause.

Nur ein Spiel gegen die Krefeld Pinguine haben die im Unterschied zu ihren Gegnern frischeren Eisbären bislang in den Play-offs verloren, auch wenn die ersten beiden Duelle gegen Hannover eng waren. „Heute war das erste Spiel, in dem der Gegner wirklich stärker war als wir“, sagte Hannovers Trainer Kevin Gaudet. „Die Eisbären waren eindeutig schneller und besser.“ Trotzdem hatte es bis zum Ende des ersten Drittels gedauert, ehe Denis Pederson die Überlegenheit der Eisbären mit einem Tor dokumentierte. „Das Tor hat Zweifel in die Köpfe der Hannoveraner gebracht“, sagte der überragende Pederson. Nach dem zweiten Drittel stand es 4:0, und die Hannoveraner sammelten eine Strafzeit nach der anderen. 91 Minuten standen am Ende zu Buche, bei den Eisbären waren es 16. „Wir hatten jetzt 15 Spiele in 35 Tagen. Wir waren müde, und deshalb kam es auch zu den vielen Undiszipliniertheiten“, sagte Kevin Gaudet. Obwohl die Gäste angesichts des nahenden Saisonendes in den letzten Spielminuten die Beherrschung verloren und Pederson die Berliner mit seinem zweiten Tor 5:1 in Führung gebracht hatte, kam kurzzeitig sogar noch einmal so etwas wie Spannung im Sportforum auf.

Pierre Pagé wollte seine erfahrenen Spieler schon im letzten Drittel des Spiels gegen Hannover schonen, die Reserve kam aber nach dem 5:3 noch einmal kurzzeitig in Bedrängnis. „Pierres Plan war nicht so gut“, scherzte der Trainer anschließend über sich selbst. „Die Unterschiede zwischen den Mannschaften in den Play-offs sind in diesem Jahr nicht sehr groß, da kann man sich keine Fehler erlauben“, sagte Pagé. „Es ist gut, wenn wir eine Pause haben und noch einmal gezielt trainieren können.“

Die Bilanz gegen Köln und Düsseldorf aus der Hauptrunde der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) ist identisch: Gegen beide Mannschaften verloren und gewannen die Eisbären jeweils zweimal. Düsseldorfs Coach Don Jackson und Pierre Pagé kennen sich aus der nordamerikanischen Profiliga NHL. Dort war Jackson einst Pagés Kotrainer bei den Quebec Nordiques, beide haben eine ähnliche Spielphilosophie und kennen einander gut. Das könnte sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil sein.

Die Eisbären haben das ausgeglichenere Team, Don Jackson muss sich vor allem auf seine starke erste Reihe verlassen. Die wird entsprechend stark beansprucht und steht oft auf dem Eis. Eine Pause vor dem Finale würde den Düsseldorfern also gut tun. Ein fünftes Spiel gegen Köln werden sie für ein paar freie Tage danach aber nicht absichtlich riskieren.

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