Sport : Warten auf den Knall

Trügerische Ruhe prägt den Kampf der drei WM-Kandidaten in der Formel 1

Karin Sturm

Indianapolis. Zum Küssen war Michael Schumacher absolut nicht zumute. Schließlich war es nicht seine Ehefrau Corinna, die neben ihm saß. Links und rechts neben dem Formel-1-Weltmeister hatte man Juan Pablo Montoya und Kimi Räikkönen platziert. So mussten sich die Fotografen vor dem Großen Preis der USA in Indianapolis (Sonntag, 20 Uhr, live in RTL und Premiere) damit begnügen, dass Schumacher seine schärfsten Gegner um den WM-Titel in der Formel 1 lächelnd in die Arme nahm. Mehr Nähe lehnte der fünfmalige Champion Schumacher gut gelaunt ab.

Damit ließ es das Trio von Ferrari, BMW- Williams und McLaren-Mercedes auch mit den gespielten Freundlichkeiten sein. Schließlich liegen der WM-Spitzenreiter Schumacher sowie Montoya und Räikkönen vor dem vorletzten Grand Prix der Saison noch so dicht beisammen, dass es zwischen ihnen durchaus noch zu heftigen Wortgefechten kommen kann. Das wäre durchaus ungewohnte Unterhaltung. Denn ein wirklich temperamentvolles WM-Finale hat es in der Formel 1 schon lange nicht mehr gegeben. Michael Schumachers letzter großer Rivale, der stille Finne Mika Häkkinen, ließ sich auf solche Spielchen gar nicht erst ein.

Diesmal stehen die Chancen auf einen medial interessanten Streit wesentlich besser. Es gibt diverse Anzeichen dafür, dass Schumacher und sein Hauptgegner Montoya in der Endphase des Titelkampfes noch kräftig aneinander geraten werden. Schließlich war Schumacher solchen Gefechten, wenn er sie für nützlich hielt, nie abgeneigt. Sie könnten ja den Gegner verunsichern. Und der Kolumbianer Montoya ist nicht der Fahrer, der alles schweigend hinnimmt. Wenn es ihm zu viel wird, kontert er mit markigen Worten.

Erste Eruptionen gab es bereits. So beschwerte sich Montoya vor zwei Wochen nach dem Großen Preis von Monza heftig über den Sauber-Piloten Heinz-Harald Frentzen. Denn der längst abgeschlagene Mann aus Mönchengladbach habe ihn angeblich mehrere Runden lang nicht überholen lassen. „Ich möchte wirklich wissen, was der sich dabei gedacht hat“, sagte Montoya. Er unterstellte damit indirekt Frentzen, dessen Team mit Ferrari-Motoren fährt, dass der Routinier den Italienern geholfen habe. Michael Schumacher wurde der Satz zugetragen: „Montoya hat behauptet, Frentzen hätte auf Anweisung gehandelt“. Der Weltmeister keilte sofort zurück. „Ich weiß zwar nicht genau, was Montoya gesagt hat, aber das ist mal wieder ein typisches Beispiel für die Paranoia in der Formel 1.“ Das wiederum brachte den Kolumbianer in Rage: „Was soll der Mist schon wieder?"

Bis jetzt blieb es bei diesen Scharmützeln. In Indianapolis wandten die Protagonisten eine andere Taktik an. Michael Schumacher wirkte eher souverän, Montoya dagegen bot einen Mix aus Aggressivität, Lässigkeit und Macho-Gehabe. Dagegen wirkte der Finne Kimi Räikkönen ebenso blass wie früher sein Landsmann Mika Häkkinen. Was das Trio einte, war betontes Desinteresse an einem gemeinsamen Foto. Erst nach langem Zögern hatten die Fotografen ihre Bilder.

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