Sport : Warten auf den Knall

Radprofi Danilo Hondo sagt Erik Zabel beim Sprinten ums Grüne Tour-Trikot den Kampf an

Hartmut Moheit

Berlin. Mal schnell so nebenbei beim Berliner Sechstagerennen mitzufahren, zwischen dem Training auf dem spanischen Festland und der Mallorca-Rundfahrt, davon hält Danilo Hondo nichts. „Man muss an diese Sixdays mit Respekt herangehen. Ich habe mich mit Olaf Pollack in Frankfurt an der Oder gründlich auf Berlin vorbereitet“, sagt der 30-Jährige. Hinzu kommt, dass sich Hondo nicht aus einer Laune heraus nach sechs Jahren wieder auf das Holzoval des Berliner Velodroms begeben hat, sondern „weil ich nach den immer wiederkehrenden Planungen für die Straßensaison diesmal die Abwechslung brauchte“.

Die schnellen Tritte, das permanente Antreten und die extrem schnellen Reaktionen in der Halle sind genau das, was Sprinter wie Hondo und Pollack für die Straßensaison benötigen. Beide gehören zum Team Gerolsteiner, das als Mannschaft der ersten Kategorie und mit einer Top-Platzierung in der Weltrangliste den Startplatz bei der Tour de France sicher hat. Eigene Ambitionen für die Frankreich-Rundfahrt waren ein entscheidender Grund, dass Hondo das Team Telekom nach der vergangenen Saison „im Guten verlassen“ hat. Seine erste Aufgabe war, Starsprinter Erik Zabel in eine gute Position auf der Zielgeraden zu bringen. „Diese Helferposition wollte ich nicht mehr“, sagt der Deutsche Straßenmeister von 2002. Bei der Tour durch Mallorca vom 1. Februar an werden Hondo und Zabel nun gegeneinander sprinten.

Auf den jungen Robert Förster kommt dann die Aufgabe zu, auf den letzten 500 Metern für Hondo zu fahren. „Ich traue mir zu, beim Kampf ums Grüne Trikot bei der Tour de France ganz vorn mitzumischen“, gibt sich Danilo Hondo selbstbewusst. Wegen der besseren Trainingsbedingungen ist er mit seiner Familie an den Lago Maggiore gezogen. Das soll sich auszahlen, zumal er an Italien sehr gute Erinnerungen hat. „2001 habe ich beim Giro erst auf der letzten Etappe nach Mailand gegen Cippollini das Maglia Ciclamina verloren, das Punktetrikot für den besten Sprinter“, sagt Hondo. Spätestens seit diesem Giro d’Italia, bei dem er zwei Etappen gewinnen konnte, weiß er, dass er zu den besten Straßensprintern der Welt zählt.

Zabel und Hondo im Kampf um das Grüne Trikot, so einfach wird es nicht. Doch Hondo hat ein Vorbild im Italiener Alessandro Petacchi, der 2003 vier Tour-Etappen gewann: „Er hat sich auch Stück für Stück entwickelt, dann kam plötzlich der große Knall.“ Wie dieses Gefühl ist, das hat Danilo Hondo schon einmal bei der Niedersachsen-Rundfahrt erlebt, als er fünf Etappen gewann. „Da geht dann alles“, erinnert er sich, „die Beine sind gut, das Selbstbewusstsein ist da und die Spurts klappen“. Es war wie zu Zabels besten Zeiten – oder wie bei Petacchi.

Was aber passiert, wenn sich Olaf Pollack als der Bessere von beiden herausstellt? „Dann werden wir uns einig“, sagt Hondo, „wir sind dicke Freunde“. Als Pollack das hört, schmunzelt er ein wenig. Beim Sechstagerennen sind sie noch gleichberechtigt.

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