Sport : Warten auf den MP4-19B

McLaren-Mercedes hofft auf den neuen Rennwagen

Karin Sturm[Indianapolis]

Als er im letzten Jahr im September nach Indianapolis kam, da war Formel-1-Rennfahrer Kimi Räikkönen einer der WM-Titelkandidaten, stand auf der Pole-Position und wurde im Rennen Zweiter hinter Michael Schumacher. Dadurch war die WM-Entscheidung bis zum letzten Grand Prix in Suzuka vertagt worden. In dieser Saison hat der Finne bisher ganze fünf Punkte auf seinem Konto, dafür aber schon fünf Ausfälle zu verkraften. Und er hofft sehr, dass Indianapolis am Sonntag eine Abschiedsvorstellung wird. Nicht für ihn selbst, sondern für sein derzeitiges Auto: den McLaren-Mercedes MP4-19, an den man einst so hohe Erwartungen stellte, von dem man aber schon in der zweiten Hälfte der Wintertests wusste, dass er sie wohl nicht würde erfüllen können. Der Wagen ist nicht nur unzuverlässig, sondern auch zu langsam.

Schon vor dieser Saison hatte McLaren-Chef Ron Dennis deshalb eine B-Version für diesen Sommer angekündigt, und nun hat der MP4-19B (Foto: Reuters) bereits seine erste Bewährungsprobe hinter sich gebracht. Räikkönen jedenfalls sagt: „Ich hoffe sehr, dass wir in zwei Wochen in Magny-Cours schon das neue Auto einsetzen können. Der Test Anfang Juni in Silverstone verlief sehr gut, das Auto hat sich deutlich besser angefühlt als das alte.“ Damit meint Räikkönen vor allem ein stabileres Heck beim Anbremsen vor den Kurven und weniger Reifenverschleiß, der das alte Auto langsamer machte.

Vieles wird vom nächsten Test kommende Woche in Jerez abhängen. Wenn auch dort keine größeren Zuverlässigkeitsprobleme auftauchen, wenn die Daten und Ergebnisse stimmen, wenn man auch mit der Teileproduktion im Plan ist, dann sollte ein Einsatz in Magny Cours am 4. Juli möglich sein. „Wir müssen das neue Auto so schnell wie möglich bringen“, sagt McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh, zweiter Mann bei den Silbernen hinter Ron Dennis, der für das Tagesgeschäft und seit April auch für die Mercedes-Motoren verantwortlich ist. „Ich habe ja eine Menge Druck von einigen Seiten bekommen, schon in die USA das Auto mitzunehmen, aber das wäre mit Sicherheit falsch gewesen.“

Im MP4-19B wird auch ein neuer Motor stecken: „Es gibt einige deutliche Änderungen am Motorblock“, verrät Whitmarsh, „um die Leistung zu erhöhen und um die Zuverlässigkeit zu verbessern.“ Whitmarsh hat sich seit der Ausweitung seiner Aufgaben vor allem damit befasst, die Koordination und Kooperation der einzelnen Teams zu verbessern: „Wir haben neben dem Chassis-Team in Woking ja auch noch zwei Motorenteams – eines in Stuttgart und eines in Brixworth“ – Mercedes und Ilmor.

„Mein Job ist es, die Prüfstände und Forschungskapazitäten in Stuttgart und das Motorendesign und die Produktion in Brixworth besser zusammenzubringen. Das sind zwei verschiedene Organisationen mit ganz verschiedenen Kulturen“, erklärt Whitmarsh. Bisher, das geben die McLaren-Mercedes-Macher auch offen zu, hat es zwischen den verschiedenen Seiten ein bisschen viel Konkurrenz gegeben. „Unser Ziel muss es sein, aus beiden das Beste herauszuholen, denn beide Seiten haben jeweils ihre ganz besonderen Stärken, und die müssen sie in unser Programm einbringen“, sagt Whitmarsh.

Der Engländer bestreitet nicht, dass es da hin und wieder zu neuen Schwierigkeiten kommen kann: „Die Voraussetzungen sind eigentlich optimal, aber es gibt halt immer Leute, die bei so etwas bereitwillig mitmachen – und andere, die etwas weniger willig sind.“ Der Geschäftsführer sieht es als „fast unvermeidlich“ an, dass da Reibungspunkte entstehen, aber „ich glaube, wir werden die recht schnell überwinden können“.

Und dann, mit neuem Auto und neuem Motor, wollen Räikkönen und sein Teamkollege David Coulthard auch wieder um Podestplätze und Siege mitkämpfen, den Gesamteindruck 2004 noch einmal umdrehen. Der einzige, der im Moment meint, das Team könnte sich mit seinen Fortschritten Zeit lassen, ist Noch-BMW-Williams-Pilot Juan-Pablo Montoya. „Es reicht, wenn das Auto 2005 perfekt ist“, grinst der Kolumbianer. Dann wird er im Silberpfeil sitzen.

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