Sport : Warten auf den Weltmeister

Weil Alonso nicht weiß, für wen er künftig in der Formel 1 fährt, haben viele seiner Kollegen ein Problem

Karin Sturm[Monza]

Alles steht still – allein, weil der Weltmeister es will. Zurzeit tut sich bei den Transfers in der Formel 1 nichts, weil sich das eine oder andere Team noch Hoffnungen macht, im nächsten Jahr Fernando Alonso unter Vertrag zu bekommen. Solange der Weltmeister aus Spanien nicht bei einem Team unterschrieben hat, bewegt sich für die anderen Fahrer, die auf neue oder alte Plätze und Verträge hoffen, nichts.

Dabei weiß Alonso im Moment wahrscheinlich wirklich nicht, was er kommende Saison machen soll. Denn selbst wenn er sich bei McLaren nicht wohlfühlt – wo soll er hin? Bei Renault, wo ihn Flavio Briatore liebend gern wieder fahren lassen würde, gab es mit Personen in der Führungsebene massive Probleme. Dann ist da noch ein Angebot von Toyota. Aber bei diesem Team müsste Alonso auf jeden Fall mit einer mehrjährigen Aufbauphase rechnen. Und ob sich der Weltmeister das antun will?

Ein bisschen erinnert die Situation Alonsos die Formel-1-Experten an die Position von Ayrton Senna im Jahr 1992, als der Brasilianer unbedingt von McLaren weg wollte, als bester Fahrer im damaligen Feld aber auch keine Alternativen hatte, weil alle Top-Teams schon Fahrer unter Vertrag hatten. Senna machte dann doch beim Team von Ron Dennis weiter. Gegen Dennis hat unterdessen die Staatsanwaltschaft Modena in der Spionage-Affäre um geheime Ferrari-Dokumente nach einem Bericht der italienischen Nachrichtenagentur ANSA Ermittlungen wegen Sportbetrugs und der Weitergabe von Betriebsgeheimnissen aufgenommen.

Alonso konzentriert sich erst einmal darauf, doch noch die diesjährige WM zu gewinnen. Jede vorzeitige Entscheidung über einen Wechsel oder eine Pause würde ja seine teaminterne Position bei McLaren-Mercedes weiter schwächen.

Es kann also gut sein, dass alle anderen Formel-1-Piloten auf Jobsuche noch lange auf ein neues Vertragsangebot warten müssen. Das betrifft Ralf Schumacher, weil auch bei Toyota nichts passiert, Giancarlo Fisichella und Nelson Piquet junior bei Renault. Und letztlich betrifft es auch Nico Rosberg, der ja immer noch insgeheim ein bisschen hofft, bei einem Alonso-Abgang von McLaren dort dessen Nachfolger zu werden. Auch Alexander Wurz, dessen Williams-Vertrag nach dieser Saison ausläuft, wartet noch auf ein neues Angebot.

Aber mindestens genauso wie die schon etablierteren Namen betrifft der Stillstand den Bereich der Nachwuchsfahrer. Auch Timo Glock, der die Unterschrift unter seinen Vertrag als BMW-Testfahrer hinauszögert, weil er immer noch irgendwo auf ein Renncockpit hofft, wünscht sich wohl nur eines: dass Alonso so schnell wie möglich zu einer Entscheidung kommen möge.

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