Sport : Warten auf die Beförderung

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Nur einer hat richtig großen Ärger gemacht: Als Uli Stein 1986 in Mexiko den Teamchef Franz Beckenbauer als „Suppenkasper“ bezeichnete, musste er während der Vorrunde als erster Spieler in der deutschen WM-Geschichte aus disziplinarischen Gründen wieder nach Hause fahren. Im Tor stand Toni Schumacher . Der verlor seinen Platz ein Jahr später auf ungewöhnliche Weise, als ihn der Deutsche Fußball-Bund wegen Schumachers Skandalbuch „Anpfiff“ aus der Nationalmannschaft ausschloss. Das war allerdings eine Ausnahme: In vielen Fällen lohnte es sich für den zweiten Mann, auf seine Chance zu warten, weil nach Weltmeisterschaften die bisherige Nummer eins zurücktrat oder nicht mehr berücksichtigt wurde. In der jüngeren Geschichte wurden die Torhüter, die als Nummer zwei in eine Weltmeisterschaft gingen, danach befördert.

So ging es 1994 Andreas Köpke , als Bundestrainer Berti Vogts in den USA Bodo Illgner zur Nummer eins erklärt hatte. „Am liebsten wäre ich nach Hause gefahren“, sagte Köpke. Die Nummer drei war damals schon Oliver Kahn . Illgner trat nach dem Turnier überraschend im Alter von nur 27 Jahren zurück, und Köpke wurde zwei Jahre später als neuer Stammtorwart Europameister. Auch bei der WM 1998 in Frankreich war er erste Wahl, sein Ersatz hieß Oliver Kahn. Obwohl Kahn damals schon 29 Jahre alt war, verhielt er sich ruhig. Nach dem Turnier beendete Köpke seine Nationalmannschaftskarriere, Kahn nahm seinen Platz ein. Sein Ersatzmann vier Jahre später in Japan und Südkorea war Jens Lehmann . Es wäre also die logische Folge dieses Beförderungssystems gewesen, wenn Kahn nach der Weltmeisterschaft zurückgetreten wäre. Der ebenfalls 36 Jahre alte Lehmann hätte Pech gehabt. Der von Kahn verlorene Zweikampf führt nun zu dem Novum, dass sich die vorherige Nummer eins auf die Bank setzt. klapp

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