Sport : Warten auf die Wirtschaft

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Von Erik Eggers

Bonn. Die Gründung der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada), die am Montag im Alten Rathaus in Bonn vollzogen wurde, entsprang wahrlich keinem sportpolitischen Sprint. Vielmehr ist sie Ergebnis eines zähen Marathonlaufs. Jahrelang haperte es an der Finanzierung, die ursprünglich mit 40 Millionen Euro veranschlagt wurde und nun nur noch 6,6 Millionen Euro beträgt. Laut Nada-Berater Ulrich Haas ist das Überleben der Nada damit nur „mittelfristig gesichert". Der Lauf geht also weiter.

Trotz erfolgter Stiftung tritt die Nada zunächst noch nicht in Aktion, ihr zukünftiger Sitz in der Bonner Heußallee 38 wird noch renoviert. Vor November werden die fünf bezahlten Mitarbeiter ihre Arbeit nicht aufnehmen können. Peter Busse, zuvor Direktor der Gauck-Behörde, wird der Nada vorstehen. Auch beim Kampf gegen Doping engagierte Sportler wie die ehemalige Hochspringerin Heike Henkel, die im Vorstand der Nada sitzt, müssen erst mal warten.

Einheitliche Regeln

Was soll die Nada? Ihr Sinn besteht, vereinfacht gesagt, darin, den Kampf gegen Doping in Deutschland zu vereinheitlichen. Eines der größten Probleme bestand bislang in der, so nannte es Haas, „disparaten Zuständigkeit“. Die unklaren Verantwortlichkeiten hatten schon der Anti-Doping-Kommission des Deutschen Sportbundes und des Nationalen Olympischen Komitees zu schaffen gemacht. Fast jeder deutsche Sportverband legte die Sanktionsmöglichkeiten bei Dopingmissbrauch unterschiedlich aus, Fußballer anders als Leichtathleten, Radfahrer anders als Gewichtheber.

Mit der Gründung der Nada, die auch Präventionsarbeit unter den Leistungssportlern leisten soll, steht nun das Projekt der Vergleichbarkeit an. Ziel sei, sagte Bundesinnenminister Otto Schily, ein einheitliches Kontrollsystem, „insbesondere durch Erstellung und Durchsetzung der Kontrollmechanismen, Analyseverfahren, Dopingverbote, Sanktionskataloge und Disziplinarverfahren". Von nun an soll die Nada nicht nur Kontrollen im Training durchführen und beaufsichtigen, sondern auch die im Wettkampf. Als weiteres, mittelfristiges Ziel kündigte Haas die Einrichtung eines nationalen Schiedsgerichtshofes an, der ein „schnelleres Dopingmanagement“ bewirken soll. Vorbild ist der internationale Sportgerichtshof CAS in Lausanne. Jahrelange Prozesse wie im Fall der Leichtathletin Katrin Krabbe sollen auf diesem Wege verhindert werden.

Unbezahlbare Utopien

Steht das Vorhaben angesichts der kargen Finanzierung ohnehin auf wackligem Grund, so erscheint der nächste logische Schritt als Utopie: die Vergleichbarkeit im internationalen Rahmen. Zwar engagiert sich Deutschland „national wie international in der Dopingbekämpfung auf hohem Niveau" (Schily), doch existieren nur in wenigen anderen Ländern ähnlich hohe Standards. Warum der Präsident des Deutschen Sportbundes, Manfred von Richthofen, in seiner Rede ausgerechnet die USA zu diesen Ländern zählte, wird sein Geheimnis bleiben.

Einstimmig beklagt wurde beim Festakt die Beteiligung der Wirtschaft. Trotz zahlreicher Gespräche haben sich nur zwei Sponsoren für die Nada gefunden. Mit der Summe von lediglich 50 000 Euro beteiligen sich jeweils Deutsche Telekom und Deutsche Bank. Otto Schily, der „die Werbewirksamkeit nur bei einem sauberen Sport“ sieht, zeigte sich enttäuscht von der Resonanz. Von der am Montag formulierten Idee einer Zwangsabgabe für die Dopingbekämpfung hält der Minister jedoch nichts. Annegret Kramp-Karrenbauer, Vorsitzende der Sportministerkonferenz der Länder, hatte einen „Nada-Cent“ für jeden Euro, den die Wirtschaft in den Sport investiert, vorgeschlagen.

Die Glaubwürdigkeit der Sponsoren lässt sich jedenfalls auf freiwilliger Basis besser ablesen. Das Radsport-Team kostet die Deutsche Telekom jährlich geschätzte sechs Millionen Euro. Die Nada ist dem Weltunternehmen 50 000 Euro wert. Das entspricht etwa 0,8 Prozent.

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