Sport : Warten auf eine Umkehr

Godefroot redet heute über Doping bei Telekom

Frank Bachner

Berlin - Kommt jetzt das nächste große Geständnis? Wird heute um 11 Uhr Walter Godefroot in die Fernsehkameras schauen und pathetisch gestehen: Ja, auch ich war am Doping beim Radrennstall Team Telekom beteiligt? Vielleicht weint er dann sogar, wie der frühere Telekom-Profi Erik Zabel. Das wäre allerdings eine echte Überraschung. Fest steht bis jetzt bloß, dass der Belgier, langjähriger Sportlicher Leiter des Team Telekom, heute in einer Pressekonferenz im belgischen Gent reden wird. Aber was wird er sagen? Bisher hat er jede Beteiligung am Doping abgestritten.

Nur hat der frühere Telekom-Masseur Jef d’Hont Godefroots Rolle ganz anders in Erinnerung. Er, d’Hont, habe bei Fahrern Geld für Dopingmittel eingesammelt und an den Sportchef weitergegeben, hatte d’Hont erklärt. Ähnliches erklärte auch Bert Dietz, der frühere Telekom-Profi, als er bei „Beckmann“ öffentlich seinen Dopingkonsum gestand. Gelogen sei das, empörte sich Godefroot in Zeitungsinterviews. Er habe nie Doping „organisiert und die Rennfahrer nie zu irgendwas stimuliert“. Und selbstverständlich auch „nie unerlaubte Medizin empfohlen“.

Bjarne Riis kann über solche Sätze nur müde lächeln. Der Däne hatte 1996 im Telekom-Trikot die Tour gewonnen und elf Jahre später, an Pfingsten, Epo-Konsum gestanden. Epo habe zum Alltag gehört, ganz einfach. Und dass Godefroot vom Epo-Konsum in seinem eigenen Team nichts mitbekommen habe, das könne er sich beim besten Willen nicht vorstellen. Riis, heute CSC-Teamchef, meinte: „Godefroot war auf einem Auge blind.“ Dazu sagte Godefroot bloß noch, dass er nichts sagt. „Daraus werden sowieso wieder nur Sensationen gemacht.“

Die Sensation könnte heute kommen – wenn Godefroot öffentlich seine Meinung umkehrt. Dann hätte Godefroot wohl auch Probleme mit seinem neuen Team Astana. Denn dort gilt der Sportchef als ehrlicher Mann. Zumindest Astana-Manager Marc Biver, ein Schweizer, sieht ihn als guten Menschen. „Er hat damals seine Arbeit so gut wie möglich gemacht“, sagte er. „Da bin ich sicher, und ich hoffe, dass er bei der Tour de France bei uns dabei ist.“ Möglicherweise muss er heute seine Meinung nochmal überdenken. Frank Bachner

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