Sport : Warten auf Luizao

Herthas Brasilianer schießt weiter keine Tore – und wird immer wieder ausgewechselt

Klaus Rocca

Berlin. Aus dem Augenwinkel registrierte Luizao, dass sich Michael Preetz warm lief. Das verhieß nichts Gutes für ihn: Luizao drohte wieder einmal die Auswechslung. So schnell gab er sich jedoch nicht geschlagen. An der Seitenlinie, direkt vor des Trainers Augen, legte er sich den Ball weit vor und wollte einem Stuttgarter enteilen. Es misslang gründlich. Luizao verlor das Laufduell um ein paar Meter. Und dann geschah, was er befürchtet hatte: Huub Stevens nahm ihn im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion nach einer knappen Stunde vom Platz.

Seine mangelnde Schnelligkeit wurde Luizao nicht mehr zum Verhängnis, die Entscheidung gegen ihn war schon vorher gefallen. Nicht nur, weil er wieder einmal seinen eigentlichen Job nicht erfüllt hatte: Tore für seinen Arbeitgeber, den Fußball-Bundesligisten Hertha BSC, zu schießen. Auch und vor allem, weil er zuvor kaum etwas Vernünftiges zu Stande gebracht hatte. Das Fachblatt „Kicker“ gab ihm wieder einmal die Note 5. Bitter für einen, der mit Brasilien Weltmeister wurde.

Ob er denn enttäuscht sei, dass Luizao immer noch nicht als Verstärkung anzusehen ist, wurde Huub Stevens gestern gefragt. Stevens wich aus. „Enttäuscht bin ich nur, weil wir in Stuttgart verloren haben.“ Und Negatives über einen Spieler werde er in der Öffentlichkeit ohnehin nicht sagen. Es ehrt ihn. „Schuld hat in diesem Fall natürlich nicht nur Luizao. Schuld haben auch seine Mannschaftskameraden, die ihn nicht mit den nötigen Bällen versorgen“, sagte Stevens. Vor allem von den Außenpositionen sei kaum etwas gekommen. Dass von außen bei Hertha ganz selten etwas kommt, dürfte auch ihm nicht entgangen sein.

Nur, warum fehlen bei Hertha oft die Pässe für die Stürmer? Sind die Mittelfeld- oder Abwehrspieler zu egoistisch? „Ich hätte es gern gesehen, wenn Michael Hartmann bei seiner Großchance vor der Pause egoistisch gewesen wäre und aufs Tor geschossen hätte, anstatt einem Stuttgarter den Ball in die Füße zu schieben“, sagt Stevens.

Am Egoismus soll es also nicht liegen. Liegt es an Luizao selbst? Hat man sich bei Hertha durch die vielen Tore, die er in seiner Heimat schoss, blenden lassen? „Er wird unsere Erwartungen noch erfüllen“, wiederholt Manager Dieter Hoeneß immer wieder, wenn die Rede auf Luizao kommt.

Am 7. November vorigen Jahres glaubte man, der Bann sei gebrochen. Da legte ihm sein Landsmann Marcelinho, Herthas effektivster Spieler, selbstlos den Ball so maßgerecht vor, dass ihn Luizao nur noch ins fast leere Tor drücken musste. Es war beim 4:0 gegen Apoel Nikosia kein wichtiger Treffer, für Luizao schon. Nach 572 Minuten ohne Tor war er endlich erfolgreich. Stevens sprach dann auch prompt von einem „Befreiungsschlag“.

So richtig befreiend war dieses Erfolgserlebnis freilich nicht. Schon deswegen nicht, weil sich Luizao im Spiel gegen die Zyprer eine tiefe Fleischwunde zuzog und längere Zeit ausfiel. Danach war er weiter eher Fremdkörper. Auf ein Bundesliga-Tor wartet man noch immer vergeblich. In zehn Spielen wurde er fünfmal ein- und viermal ausgewechselt. Für einen, der zwar ablösefrei kam, aber Herthas Etat Monat für Monat erheblich belastet, eine höchst unbefriedigende Bilanz. „Man muss ihm Zeit geben“, sagt Stevens. Das hat man auch bei Alex Alves gesagt. Auf dessen Durchbruch wartet man immer noch.

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