Sport : Warten auf Martina

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Katharina langweilt sich. „Mitunter kommt schon mal einer, aber es könnten wirklich mehr sein“, sagt die junge Frau. Eis verkauft sie, aber das Eis geht nicht richtig weg. Das liegt nur zum Teil an den Wolken, die über die Plätze des LTTC Rot-Weiß ziehen. Die Wolken waren ohnehin eingeplant. „Heute hält sich starke Bewölkung, vereinzelt fällt Regen oder Sprühregen“, lautete die Wettervorhersage der MC GmbH für meteorologische Dienstleistungen. Die Turnierleitung hat sich ihre Dienste für diese Woche gesichert.

Aber auch professionelle Auguren behalten nicht immer recht, und am Nachmittag kommt die Sonne dann doch durch. Aber es ist erst Montag, der erste Tag der German Open 2002. Es ist ein Tag zum Aufwärmen, das gilt auch fürs Turnier.

Zu Beginn der German Open ist traditionell weniger los als an den übrigen Spieltagen. Turnierdirektor Eberhard Wensky weiß das, und wie in jedem Jahr versucht er, den Auftakt etwas lebendiger zu gestalten. Am Sonntag gab’s ein klassisches Konzert auf dem Centre Court. Für Montag verteilte Wensky 1500 Freikarten an Schüler. Nur nützte der Einsatz nicht allzu viel. Gedränge herrscht nachmittags nicht.

Denn noch sind die bekannten Spielerinnen nicht da, und deshalb kann man gemütlich über die Plätze spazieren. Chanda Rubin ist noch der bekannteste . Aber die frühere Fedcup-Spielerin tritt nur im Doppel an, mit Els Callens. Die beiden besiegen Marta Marrero/Rossana Neffa-De los Rios aus Spanien.

Martina Navratilova kommt ja erst noch, die ist wirklich prominent. Neunfache Wimbledon-Siegerin, in Berlin ebenfalls fürs Doppel gemeldet. Sie wird aber erst heute oder vielleicht sogar erst am Mittwoch aufschlagen.

Also können Zuschauer weiter über die Anlage schlendern. Zwischen Nobelkarossen kann der Fan einen Kreditkartenvertrag mit dem Hauptsponsor abschließen oder sich mit Tenniskleidung der gehobenen Kategorie eindecken. Unklar bleibt nur der Zusammenhang zwischen Tennis und den Luxus-Damenhandtaschen, die unter dem interessanten Slogan „Lagerverkauf“ angeboten werden. Viel los ist auch hier noch nicht, die jungen Freikartenbesitzer interessieren sich nicht für Edles, und die Leute mit Geld kommen erst später. Aber für ein Eis reicht das Geld der Schüler. Das ist Katharinas Hoffnung. Sie hat Eis und Langeweile. Noch. Martín E. Hiller

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