Sport : Warten auf Tampere United Einst ungeliebter UI-Cup erlebt Zuschauerboom

Karsten Doneck

Berlin -Skala Itrottarfelag blieb den deutschen Klubs vorenthalten. Die Elf von den Färöer schied in Runde eins aus: 0:2 und 0:1 gegen Tampere United aus Finnland. Aufgrund einer Nationenwertung der Uefa, die alle fünf Jahre neu erstellt wird, greifen die Bundesligaklubs derzeit frühestens in Runde zwei in den UI-Cup ein. Der Wettbewerb gilt gemeinhin so ein bisschen als europäischer Elends-Cup. Lukrative Gegner sind rar, die Spiele stören die Trainer bei der Saisonvorbereitung, die Gefahr, sich gegen einen Namenlosen zu blamieren, ist allgegenwärtig, und von den 61 Teilnehmern schaffen über fünf Runden nur drei den Sprung in den ranghöheren Uefa-Pokal.

Aus Deutschland haben der Hamburger SV und der VfL Wolfsburg in der zweiten Runde in den UI-Cup eingegriffen, und zwar recht erfolgreich. Wolfsburg kam gegen Sturm Graz nach einem 2:2 im Hinspiel durch ein 3:1 bei den Österreichern weiter, der HSV legte gegen den mazedonischen Vertreter FK Pobeda Prilep ein beruhigendes 4:1 vor und ließ im Rückspiel noch einmal ein 4:1 folgen. Borussia Dortmund, als Siebenter der bestplatzierte der drei UI-Cup-Teilnehmer aus Deutschland, mischt erst von der dritten Runde an mit. Am nächsten Wochenende ist Sigma Olmütz der Gegner.

Der UI-Cup ist indes nicht nur europäische Fußball-Tristesse. Er dient auch dazu, dass ein paar Glücksritter im Sommer ihre Fußballwetten platzieren können. Zumindest beim Publikum kommt der UI-Cup an. „Wir rechnen mit 4000 Zuschauern“, hatte Thomas Strunz, Manager des VfL Wolfsburg, vor dem Heimspiel gegen Graz vermutet. Weil das komfortable neue Stadion am Spieltag für ein Konzert der Sängerin Anastacia langfristig gebucht war, wich der VfL kurzerhand in sein altes Stadion am Elsterweg aus. Weit über 8000 Zuschauer kamen. Der HSV begrüßte gegen Pobeda Prilep gar 27 612 Zuschauer in der AOL-Arena.

Das ist noch gar nichts. Schalke 04 fand sich 2003 und 2004 im UI-Cup wieder. Das überwältigende Ergebnis: Zu den insgesamt sechs Heimspielen erschienen über 330 000 Zuschauer, rund 55 000 im Durchschnitt. Gegner waren unter anderen Dacia Chisinau und der SV Pasching. Dass sich der UI-Cup nicht richtig in eine Saisonvorbereitung einordnen lässt, haben deutsche Klubs auch widerlegt. Zum Beispiel der VfB Stuttgart: 2002 noch im UI-Cup am Start, wurde der VfB in der Saison 02/03 Vizemeister.

Aber selbst Verlierer genießen den UI-Cup. Prileps Trainer Petar Kurcubic sah das 1:4 seiner Elf ganz gelassen, lobte vielmehr die Hamburger Verhältnisse: „Vor dieser Kulisse und in diesem Stadion zu spielen, das ist eine schöne Erinnerung für meine Spieler. Das vergessen die niemals.“

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